LKW Selbstausbau zum Wohnmobil 37 Bilder Zoom

Selbstausgebautes Wohnmobil auf MAN-Chassis: Dieses Pärchen ist cooler als McGyver

Wiebke und Knut Harms haben sich ihr Traum-Wohnmobil selbst gebaut. Obwohl die zwei gutgelauten Oldenburger keine Erfahrung hatten, kann sich das Resultat mehr als sehen lassen: Ein schicker, moderner Ausbau. 

"Wow, den habt ihr selbst ausgebaut? Darf ich mal reinschauen?" Wenn Wiebke (44) und Knut (47) Harms mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind, ziehen sie die Blicke der Leute auf sich. So auch während des Telefoninterviews, das die beiden in ihrem Schottland-Urlaubs mit promobil führen. Plötzlich klopft jemand an die Fahrerhaus-Scheibe und fragt, ob er mal in den rot-weißen LKW-Koffer schauen darf. Doch leider schlafen so früh am morgen ihre Kinder Hannes (16) und Rieke (14) noch, nur die Eltern sind schon wach und beantworten unsere neugierigen Fragen.

So modern und schick sieht es im ehemaligen Blumen-Lastwagen aus.
Warum musste es denn unbedingt ein selbstausgebautes Wohnmobil sein?

Wiebke: "Ja, das hat unser Sohn auch nicht verstanden: 'Jetzt habt ihr schon wieder eine von euren verrückten Ideen'. Inzwischen findet er das Wohnmobil aber gut. Wir hatten vorher einen Hymer Camp 600 CL Alkoven, mit dem wir auch sehr zufrieden waren. Als es an der Zeit war, ihn zu verkaufen, begannen die ersten Überlegungen, was für ein neues Wohnmobil her sollte. Aber alles, war uns wirklich gefällt, hätten wir uns so nicht leisten können."

Knut: "In unserem alten Mobil hatten wir immer wieder die Gedanken, dieses und jenes hätten wir aber anders gemacht. Und als das Wohnmobil älter wurde, wurde uns klar, dass wir gar nicht wissen, wo wir gucken müssen, wenn mal was nicht geht. Zum Beispiel, wenn eine Wasserpumpe plötzlich Luft zieht. Bei unserem selbstausgebauten LKW kennen wir jetzt den Verlauf jedes einzelnen Kabels."

Wiebke: "Der Verkauf des Hymers ging dann auch schneller als geplant, das dauerte nur 14 Tage. Plötzlich standen wir ganz ohne Wohnmobil da. Also haben wir uns sputen müssen, um in der nächsten Saison auch wieder mobil zu sein."

Für was für ein Basisfahrzeug habt ihr euch entschieden?

Knut: "Uns war die ganze Zeit klar, dass es ein Lkw mit 7,5 Tonnen sein sollte, der einen Kühlkoffer hat. Der ist isoliert und stabil. Allerdings wollten wir keinen Gebraucht-Lkw, in dem vorher Fisch oder Fleisch transportiert wurde, da weiß man ja nicht, ob man alle Gerüche herausbekommt. Also kamen wir auf die Idee, dass es ein Blumenlaster sein sollte."

Wiebke: "Auch hier hatten wir echt wieder Glück. Innerhalb der nächsten vier Wochen hatten wir einen Lkw in Nienburg gefunden, der auch schon eine Treppe und Treppenstufen hat und keine Ladebordwand. Da stand er dann also plötzlich in unserer Einfahrt und wartete darauf, ausgebaut zu werden."

Seid ihr denn schon immer Heimwerker und handwerklich begabt?

Knut: (lacht) "Nee, also wir haben höchstens mal ein Fahrrad umlackiert vorher."

Wiebke: "Naja, wir wussten schon, wie man eine Fräse bedient und wie man Schrauben dreht, das geht auch noch. Also ein bisschen basteln wir immer schon mal herum, aber so ein ganzes Fahrzeug haben wir noch nie umgebaut. Tatsächlich haben wir ganz viel gelesen und geplant, bevor wir uns an die Arbeit gemacht haben, was sich auch als richtig erwiesen hat. Das Wohnnmobil-Selbstausbau-Buch von Ulrich Dolde habe ich alleine drei Mal durchgelesen, Knut immerhin zwei mal."

Knut: "Wir haben also nicht einfach so angefangen, mal was zu bauen und dann zwischendurch geguckt, wie es weitergeht. Wir hatten einen Plan und uns vorab viele Gedanken gemacht. Ich habe vorab beispielsweise sehr lange mit einem Heizungsbau-Techniker telefoniert und mir das mit der Möbel-Hinterlüftung ganz genau erklären lassen. Ein Bekannter von uns, der Fahrzeugbauer ist, hatte auch immer mal wieder einen guten Tipp oder einen starken Arm übrig. "

Viele Arbeitsstunden, Kreativität und Schweiß haben die Knuts in ihr Traum-Wohnmobil gesteckt.
Ihr habt ja wirklich so gut wie alles selbst gemacht. Was war das schwierigste ?

Knut: "Das mit der Heizung war, wie gesagt, ziemlich kompliziert. Die ersten beiden Heizkörper, die ich am ersten Tag eingebaut hab, die haben echt weh getan. Und viel Zeit gekostet, weil ich es einfach noch nie zuvor gemacht hatte. Da dachte ich, das endet nie. Aber am nächsten Tag habe ich dann Meter gemacht. Schwierig war auch das Bad, wo wir Schläuche verlegen mussten, einen doppelten Boden gebaut haben und zunächst eine große Duschwanne geplant hatten. Da haben wir dann aber wieder umgeplant."

Wiebke: "Das einzige was wir nicht selbst gemacht haben, war das Podest fürs Bett, weil wir beide nicht schweißen können. Achja, und die Gasanlage, die haben wir vom Fachmann machen lassen, weil die genormt sein muss und auch vom TÜV abgenommen wird. Genau, mit dem TÜV hatten wir vorab auch unseren Bauplan abgeklärt. Dinge, wie der Verlauf der Elektro- und Gaskabel und ob alles den Sicherheitsvorschriften entspricht. So gab es bei der Zulassung am Schluss zum Glück keine Probleme."

Wie lange habt ihr für den Umbau gebraucht?

Wiebke: "Der Plan war, dass wir zu den Sommerferien in Niedersachsen fertig werden. Und das hat auch geklappt. Also insgesamt vier Monate haben wir geplant, haben uns mit Fachleuten unterhalten. Und uns auf dem Caravan Salon in Düsseldorf Komponenten zeigen lassen. Im Dezember 2015 haben wir dann angefangen und diesen Juni waren wir fertig. Pünktlich zu den Ferien."

Wo gingen die ersten Touren hin?

Wiebke: "Die erste Ausfahrt ging eine Woche vor dem großen Urlaub nach Wilhelmshaven. Dann ging es durch Schleswig-Holstein nach Schweden. Und seitdem sind wir fast jedes Wochenende unterwegs. In Hamburg, Berlin oder in Holland. Manchmal planen wir gar nicht groß, Hauptsache ist, dass wir am Wochenende raus kommen – dann fahren wir auch einfach dem guten Wetter hinter oder einfach in der Nähe ans Wasser. Manchmal setzen wir uns unter der Woche abends ins Wohnmobil und trinken da ein Gläschen Wein. (lacht) Und wenn ich Knut im Haus nicht finde, dann weiß ich, dass er wahrscheinlich vor dem Haus im Wohnmobil sitzt."

Knut: "Das Tolle an unserem Wohnmobil ist, dass wir dadurch total viele Leute auf den Stellplätzen und Campingplätzen kennenlernen. Wir werden total häufig angesprochen und wir zeigen ihnen auch gerne unser Mobil."

Wiebke: "Durch die Solaranlage und die großen Tanks sind wir einige Tage autark und können wie hier in Schottland auch mal fernab von allem frei stehen. Für mich bedeutet das Wohnmobil, dass wir aus dem Alltag rauskommen. Wenn ich durch die große Windschutzscheibe gucke, dann ist das schon Erholung für mich."

Knut: "Das einzige Problem ist, dass ich immer darum kämpfen muss, dass ich auch mal fahren darf. Wiebke sitzt nämlich am liebsten hinterm Steuer. Und wenn wir dann am Campingplatz ankommen und sie auch noch alleine rangiert, weil wir eine Rückfahrkamera haben, dann denken alle: 'Ohje, die arme Frau muss bestimmt fahren, weil der Kerl was getrunken hat.' (lacht)"

So sehen stolze Selbstausbauer aus. Er ist Lehrer, sie studiert derzeit Grundschullehramt.
Was macht ihr eigentlich, wenn ihr gerade keine Wohnmobile ausbaut?

Knut: "Ich bin Lehrer."

Wiebke: "Ich bin jetzt wieder an der Uni und studiere Grundschullehramt."

Zu guter Letzt: Dürfen wir noch erfahren, was der Ausbau gekostet hat?

Wiebke: "Manche Leute sagen 'Wahnsinn, das ist aber teuer' und andere 'Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass es nur so wenig ist.' Außerdem gibt es viele, die uns missgünstig gestimmt sind. Deshalb schweigen wir uns darüber lieber aus."

Knut: "Wir würden es aber auf jeden Fall wieder tun. Es hat einfach verdammt viel Spaß gemacht – und macht es immer noch."

Einblicke in das Wohnmobil und Fotos vom Umbau finden Sie in unserer Bildergalerie. Mehr Infos und aktuelle Berichte von den Touren der Familie Harms lest ihr auf dem Blog einraumwohnung.eu oder auf der Facebook-Seite 1raumwohnung.

Portraits Redaktion

Foto

Einraumwohnung.eu

Datum

13. Oktober 2016
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