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News: Rahmenbehandlung

Sprinter als Basisfahrzeug. Weniger Gewicht, maßgeschneiderte Ausstattung

Mercedes. „Wir wollen neue Zeichen setzen“, stellt Norbert Kunz selbstbewusst fest. Der Mer­cedes-Vertriebsmann leitet zusammen mit seinem Entwicklungskollegen Dr. Jens Catta­rius ein neues Team im Sprinter-Fahrgestellwerk Ludwigsfel­de nahe Berlin. Aufgabe: enge Zusammenarbeit mit den Aufbauern. Und in diesem Schritt den Sprinter besser an die Wünsche der Aufbauer anpassen, speziell die der Käufer und Hersteller von Reisemobilen.
Der Hintergrund: Mercedes sackte hier auf nur noch rund sieben Prozent Marktanteil ab. Der neue Sprinter brachte trotz des feinen Tiefrahmen-Fahrgestells und anerkannt guter Qualität keinen Schub. Im Gegenteil: Das hohe Fahrerhaus und das ebenfalls zu hohe Gewicht hemmen, so die Szene.
„Wir hatten nicht alle Wünsche berücksichtigt“, räumt Kunz ein. Und: „Wir wollen schneller werden“, so Cattarius, flinker auf Wünsche reagieren. Dem Thema Höhe hat sich Mercedes bereits gewidmet. Als erstes Reisemobil basiert der schnittige neue Bürstner Aero-Van auf einem Fahrgestell mit flacherem Fahrerhaus.
Für die kupierte Kabine hat Mercedes ins Blech eingegriffen, derlei Operation vermeiden Fahrzeughersteller sonst tunlichst. Oberhalb der Türen kappt Mercedes das Fahrerhaus, ohne Fenster, Türen, Haltegriffe und Dachablagen anzutasten. Ein Rohrrahmen in U-Form entlang der Türen und Scheibenoberkante stabilisiert das aufgeschnittene Dach. Macht sieben Zentimeter weniger Höhe, prompt eignet sich der Sprinter besser für Teilintegrierte und Alkovenmobile.
Auch bei der Ausstattung hat sich einiges bewegt. Nun können Fahrgestelle die ansehnlichere Dachverkleidung des Kombis bekommen, gibt es einen absenkbaren Handbremshebel, tiefe Sitzkonsolen, Drehgestelle für die Sitze, Halterungen für Außenspiegel bis 2,36 Meter Gesamtbreite. Ein fertiges Paket aus abgestimmten Federn und Stoßdämpfern stabilisiert hohe Reisemobile; isolierte Türen halten Kälte draußen und Wärme drinnen.
Das heikelste Thema jedoch heißt Gewicht. Reisemobile auf Mercedes-Basis sind etwas für Anspruchsvolle, also eher üppig gebaut. Und durchweg gut ausgestattet: Sechszylindermotor, Automatik, Klimaanlage – keine Kleinigkeiten, dem Reisemobil mit Stern jedoch angemessen. Cattarius: „Wir wollen ins Premiumsegment.“ Mit 3,5 Tonnen wird’s da knapp. Erst recht, gehen mehr als zwei Reisende auf Tour. Draufgesattelt hat Mercedes, dass ausgerechnet das Parade-Fahrgestell mit Tiefrahmen schwerer ausfällt als der Leiterrahmen.
Also ran an den Speck, will die Marke wieder Fuß fassen. Erster Schritt: Rauf mit dem zulässigen Gesamtgewicht, Mer-cedes gönnt dem Sprinter als Sofortmaßnahme die nächste Hosengröße: Jetzt gibt’s den Tiefrahmen auch als 4,2 Tonner, falls 3,88 Tonnen nicht ausreichen. Das klappt unter anderem dank der tragfähigen Vorderachse aus dem Fünf-Tonnen-Sprinter. Die schwierigere Aufgabe heißt: den fülligen Transporter wieder in die frühere Kleidergröße zu pressen. Zu diesem Zweck schneidern die Entwickler die Wandstärke des Längsträger dem individuellen Gesamtgewicht zu, bisher war’s ein hoch dimensioniertes Einheitsmaß. Macht schon zehn bis 20 Kilogramm.
Je nach Art und Befestigung des Aufbaus reduzieren die Ingenieure die Zahl der Quertraversen und Ausleger. Auch die kräftigen Schräglenker der Einzelradaufhängung sind für ein Reisemobil eher übergroß bemessen, das ändert sich. Der Kasten vorn um die Kardanwelle soll schlanker ausfallen und das Volumen des Dieseltanks soll wahlweise auf 65 bis 70 Liter sinken – er sollte zu Beginn sogar größer ausfallen als beim normalen Rahmen.
An Fahrten ohne Reserve-rad hat man sich gewöhnt, womöglich entfällt bald auch die Pannenhilfe namens Tirefit zugunsten eines Reifenservice­vertrags. Entlang den Fernstrecken mag dies genügen, macht neun Kilo. Insgesamt will Mercedes 60 bis 70 Kilo einsparen, das entspricht etwa einem zugelassenen Sitzplatz.
Diese Maßnahmen liegen auf der Hand, bei ihnen soll’s nicht bleiben. Norbert Kunz verrät, dass die Entwickler zurzeit jedes einzelne Teil des Sprinter mit Blick aufs Gewicht unter die Lupe nehmen, eine Liste mit mehr als 1000 Zeilen. Das gilt nicht nur für Fahrgestelle, auch für Kastenwagen. „Alles wird angeschaut“, unterstreicht Cattarius. Und: „Wir waren nicht präsent, jetzt wollen wir unsere Technik den Kunden näherbringen.“
Man will eng an die Rei­semobilbranche heranrücken, Hersteller sollen künftig nicht mehr von Pontius zu Pilatus, sondern nur noch zu Kunz und Cattarius laufen. Das nennt man Zeichen setzen.

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Datum

8. November 2007
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