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News: Quoten für Reisemobile: Geistige Amokläufer

Der unsägliche italienische Pöbel-Ex-Staatssekretär Stefano Stefani, der im vergangenen Jahr deutsche Urlauber als „einförmige, supernationalistische Blonde“ bezeichnete, die keine Gelegenheit ausließen, unverschämt zu werden und über italienische Strände herzufallen, scheint würdige Nachfolger gefunden zu haben: Natale Rigotti, der Präsident des Hotelverbandes der Provinz Trient, behauptet nun allen Ernstes: „Leute, die im Reisemobil unterwegs sind, wollen nicht in unseren Hotels wohnen, verschmutzen die Landschaft und verstopfen unsere Straßen.“ Tief in die Vorurteilskiste greift auch der Schauspieler Andrea Castelli. In einem in Südtirol populären Theaterstück behauptet er, deutsche Mobilurlauber fielen in Südtirols Wäldern ein, raubten Wachteleier und Steinpilze und zerstörten Ameisenhaufen. Weil er in den Urlaubern mit dem eigenen rollenden Feriendomizil die Ursache allen Übels sieht, will Ober-Hotelier Rigotti sie deshalb auch über eine Quotenregelung rigoros aussperren: „Es sind zu viele, und das muss sich sofort ändern“, erklärte er im Hinblick auf die oft überlastete Brenner-Autobahn in der angesehenen Zeitung „Corriere della Sera“. Über die Kriterien hat er auch schon nachgedacht: „Wenn unsere Hotels voll sind, dürfen wir niemand mehr ins Land hereinlassen.“ Die touristischen Orte im Trentino will er zu Tabuzonen für Reisemobile erklären.

Rigotti garniert seine unverblümte Camper-Feindseligkeit mit dem Hinweis, dass es ihm natürlich nur um eine allgemeine Lebensqualität und um die saubere Luft gehe. Lieber Himmel: Hat man in Italien nichts aus der unsäglichen Affäre um Stefano Stefani gelernt, der mit seinen dümmlichen Plattitüden über deutsche Urlauber sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder abhielt, 2003 die Ferien in Italien zu verbringen? Ist es so weit, dass Hotel-Lobbyisten darüber entscheiden können, was gute und was schlechte Urlauber sind? Darf es wirklich sein, dass Funktionäre wie Rigotti Reisemobil- und Caravanurlauber pauschal beleidigen und mit abfälligen Bemerkungen überziehen und damit dicke Schlagzeilen machen? Man wird den Eindruck nicht los, dass dumpfe Vorurteile derzeit südlich der Alpen auf einen fruchtbaren Nährboden fallen. Hoffentlich setzen sich in Italien aber bald wieder die vernünftigen Stimmen durch. Etwa die des neuen Südtiroler Landeshauptmanns Luis Durnwalder, der von Quotenregelungen für einzelne Urlaubergruppen gar nichts hält. Europa wächst nicht zuletzt über den Tourismus – auch im Reisemobil und Caravan – zusammen. Und das ist gut so. Da sollte es für geistige Amokläufer und engstirnige Lobbyisten keinen Platz geben. Wie kommentierte doch die Tageszeitung „Die Welt“ die Schnapsideen Rigottis kopfschüttelnd: „Europa würde nach der Milchquote um die Camperquote bereichert werden. Das hat dem alten Kontinent gerade noch gefehlt." Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

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11. März 2004
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