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Oder-Neiße-Radweg: Alles am Fluss

Radeln an Oder und Neiße gelingt Wohnmobilurlaubern gut: Von zahlreichen, wenn auch meist sehr schlichten Stellplätzen aus lässt sich Deutschlands jüngster Fernradweg erobern. Ein Geheimtipp.

Radler, die gern einmal eine größere Strecke zurücklegen, den Blick schweifen, die Natur auf sich wirken lassen und die Beinmuskeln nicht über Gebühr beanspruchen möchten, wählen gern die Radwege entlang von Flüssen. Zu den noch weniger genutzten zählen die 630 Kilometer von Nova Ves im tschechischen Isergebirge bis hinauf an die Ostsee nach Ahlbeck, die sich vorwiegend an die Flüsse Neiße und Oder schmiegen. Der Oder-Neiße-Radweg ist auf deutschem Gebiet die D-Route 12, der jüngste Fernradweg.

Über 380 Kilometer bilden die beiden Flüsse die Grenze zwischen Polen und Deutschland. Heute mit dem Wohnmobil und Fahrrad in jene deutsche Region zu fahren, die viele nur mit der Braunkohleförderung verbinden, bedarf einer Aufgeschlossenheit, wie sie bereits Theodor Fontane (1819–1898) in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" voraussetzte: "Man muss es einrichten, dass einem das Ziel entgegenkommt." Der Reichtum dieser Gegend liegt in der Landschaft und der Art, sie genießen zu können. Der Weg führt über weite Strecken direkt an den Flüssen entlang, oft auf der Dammkrone. Das erlaubt zauberhafte Blicke auf die naheliegende Flusslandschaft, aber auch ins Land hinein – und aus dem Land hinaus. Dieses einsame Radeln und die Möglichkeit, in Sicht und Geist eins mit der Landschaft zu werden, ist wohl der stärkste Reiz, der von diesem Radweg ausgeht.

Die Oberfläche des Radweges ist über weite Strecken asphaltiert und bietet auch sonst nur an wenigen Stellen Gelegenheit, den Radfahrer durchzurütteln. Über die Ausschilderung kann vorwiegend nur Positives berichtet werden. Bescheiden sind dagegen die Möglichkeiten, direkt am Radweg zu rasten.

Mit dem Wohnmobil entlang am Oder-Neiße-Radweg

Mit dem Wohnmobil auf eine linienförmige Radwandertour aufzubrechen erfordert logistische Arbeit vor Ort, weil man sich ja mit dem Fahrrad vom Wohnmobilstandort entfernt. Wenn mehrere Personen reisen, kann eine jeweils das Wohnmobil zum abendlichen Standort fahren, während die anderen radeln. Eine Alternative ist die spätnachmittägliche Rückreise per Bahn. Im vorgestellten Bereich ist das zwischen Guben und Frankfurt (Oder) gut möglich. Wer mehr als die Ruhe der Flusslandschaft sucht, findet in historischen, wirtschaftlichen, geologischen, technischen, politischen sowie künstlerischen Einrichtungen reichlich Gelegenheit, sich von Schönem begeistern zu lassen, Wissen zu erweitern oder sich mit aktuellen Themen wie dem Energiewandel auseinanderzusetzen.

Sehenswürdigkeiten am Oder-Neiße-Radweg

Im besuchten Abschnitt des Oder-Neiße-Radweges beginnt die ganz große Kultur mit Bad Muskau im Süden. Den Namen "Pückler" verbinden viele Menschen zuerst mit dem Eis aus drei verschiedenen Sorten. "Pückler" ist aber zunächst der Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 bis 1871), der 1815 begann, eine Parkanlage unter Einbeziehung des Muskauer Stadtschlosses auszubauen. Der 830 Hektar große Muskauer Park ist heute der größte binationale Landschaftspark Europas und seit 2004 Weltkulturerbe. Im 30 Kilometer neißeabwärts liegenden Forst (Lausitz) warten im Ostdeutschen Rosengarten rund 40.000 Rosenstöcke in über 900 Rosensorten auf Besucher. Jährlich wiederkehrender Höhepunkt sind die Rosengartenfesttage am letzten Juniwochenende. Dazu beherbergt die Stadt ein Textilmuseum sowie das "Archiv der verschwundenen Orte", das an das Schicksal zahlreicher Menschen in der Lausitz erinnert, die wegen der Braunkohle förderung ihre Heimatdörfer aufgeben mussten.

Weitere reichliche 30 Kilometer flussabwärts gibt die Doppelstadt Guben/Gubin ein Bild, das auch für andere Städte an Neiße und Oder gilt: Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, danach durch den Fluss geteilt, zaghafter und trister Wiederaufbau sowie Industrialisierung zu DDR-Zeiten, industrieller Niedergang nach 1990, dafür verstärkte Stadtsanierung und engere Kontakte zwischen beiden Stadtteilen. Kulturhistorisches Kleinod Gubins ist die Ruine der Stadt- und Hauptkirche, die gegenwärtig für Besucher zugängig gemacht wird. Den Aufgang zum Turm nutzen Künstler für Ausstellungen. Im Sommer ist eine Konzertreihe geplant.

Bei Ratzdorf erreicht der Radler die Neißemündung in die Oder. Zu sehen ist hier auch das seit Hochwasserzeiten bekannte Pegelhaus. Weiter geht’s nach Neuzelle. Der kleine Ort verfügt über zwei Magnete, die immer ziehen: gut erhaltene oder restaurierte Barockkunst und Alkohol. Die alte Architektur heißt Zisterzienserabtei und gilt als eines der wenigen unzerstörten Klosterensembles in Europa. Der sich anschließende barocke Klostergarten bietet eine gute Gelegenheit, sich die Radfahrerbeine zu vertreten. Und wo ein Kloster ist, ist eine Brauerei meist nicht weit. So auch in Neuzelle, wo die Klosterbrauerei ein vorzügliches Bier, etwa den "Schwarzen Abt", in Fässer und Flaschen bringt.

Wenige Pedaltritte weiter, inzwischen am Ufer der Oder entlang, gelangt der Radler nach Eisenhüttenstadt, das auch schon Stalinstadt hieß – nichts fürs Auge, wohl aber für Geschichtsinteressierte. So bietet das "Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR" Einblicke in das ostdeutsche Leben von 1945 bis 1989.

Die letzten gut 30 Kilometer führen nach Frankfurt an der Oder, einer Stadt, die von ihrem großen Sohn Heinrich von Kleist (1777 bis 1811) dominiert wird. Die 20 Kilometer lange Kleist-Route, kann sich der Besucher zu Fuß oder mit dem Fahrrad erschließen. Spürt der Reisende während der Fahrt auf vielfach bestens ausgebauten Landstraßen die Segnungen der neuen Zeit, so merkt er beim Übernachten, dass noch nicht viel Geld in die Einrichtung von Wohnmobilstellplätzen gesteckt worden ist. Sie bieten nur im Ausnahmefall komplette Infrastruktur. In der Mehrzahl sind es Plätze ohne jeden Service. Sympathisch ist die Individualität des Hütten-Camps in Eichwege oder im "Glockenhof" nahe Bad Muskau. Um den Mangel zu lindern, will Wohnmobilhändler Wendisch in Frankfurt (Oder), bei dem es auch schnelle Unterwegshilfe gibt, jetzt vier bis fünf Stellflächen auf seinem Gelände einrichten.

Autor

Foto

Klaus Zwingenberger, TI-Forst, TI-ForstGuben

Datum

16. Juli 2014
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