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Niesmann+Bischoff Flair im Gebrauchtcheck: Luxusliner als günstiger Gebrauchter

In den 1990er Jahren revolutionierte der Flair die Reisemobilwelt. Heute zählt er als Gebrauchter zu den günstigen Luxuslinern. Wir haben uns die i-Modelle der Baujahre 1994 bis 2006 näher angesehen.

Wie sich die Maßstäbe doch verschoben haben. Wenn promobil heutzutage aus der Sieben-Meter-Klasse berichtet, dann bewegt man sich noch unter kompakteren Modellen. Der unten abgebildete Flair 6700 i TA ist gerade einmal 6,93 Meter lang. Das spricht für seine gute Raumausnutzung, denn immerhin handelt es sich hier um einen Viereinhalbtonner mit gewissen Liner-Ambitionen. Niesmann + Bischoff führte den Flair vor 22 Jahren als kleinen Bruder des Clou ein.

Niesmann + Bischoff Flair: Was taugt er als Gebrauchter?

Was die Reisemobilkenner damals beeindruckte, kann auch heute noch gefallen. Der Flair kommt ohne tragende Holzteile im Aufbau aus; er hat einen doppelten Boden und eine serienmäßige Warmwasserheizung. Alles andere als selbstverständlich waren seinerzeit auch die große Heckgarage und die separate Duschkabine. Das merkt man schnell, wenn man nach älteren Gebrauchtfahrzeugen mit solchen Attributen sucht.

Die ersten Flair waren ihrer Zeit voraus. Inzwischen sind sie durch ihr vorgerücktes Alter auch für Interessenten ohne Liner-gerechtes Budget erschwinglich geworden.

Auf- und Ausbau

Selbst nach heutigen Maßstäben erscheint die Konstruktion des Flair hochklassig. Damit betrat Niesmann + Bischoff jedoch Neuland. Nicht alles klappte auf Anhieb.
Ein Beispiel dafür sind die in unserer Umfrage unter Flair-Besitzern immer wieder genannten Undichtigkeiten in der Heckgarage. Ausgerechnet an dieser Stelle verbaute Niesmann + Bischoff einen hölzernen Boden, der unter dem PVC-Belag unbemerkt verrotten kann. Als Ursache werden undichte Heckklappen und Radkästen genannt. Manchmal dringt die Feuchtigkeit aber auch über die Naht zwischen Wand und Bodenplatte ein – oder die Werkstatt findet kein Leck. In diesem Fall bildet sich Kondenswasser an den Metallprofilen, die den Aufbau zusammenhalten, und sickert in den Boden.

Mit der Einführung der zweiten Flair-Generation änderte Niesmann + Bischoff die Konstruktion und beseitigte auch ein weiteres Problem, das schwer zu diagnostizieren ist: Die genieteten Verbindungen von Aufbau und Fiat-Triebkopf lösen sich. Einen Hinweis darauf gibt ein sichtbarer Spalt zwischen Armaturenbrettverlängerung und Bugmaske.

In der promobil-Befragung tauchten zudem immer wieder defekte Seitenfenster im Fahrerhaus auf. Hier wird die Doppelverglasung undicht, es bildet sich innen Kondensat. Mit Undichtigkeiten hatten einige Besitzer außerdem rund um die Frontscheibe zu kämpfen. Die gigantische Scheibe – die nicht zuletzt den Reiz des Flair-Fahrens ausmacht – kann weitere Tücken mit sich bringen. Überdurchschnittlich oft treten Spannungsrisse und Steinschlag auf.

Verglichen damit fällt der Verschleiß am Mobiliar gering aus. Das Flair-Innenleben erweist sich als oberklassig. Eine Ausnahme bildet die anfällige Höhenverstellung der vorderen Sitze. Sie sorgt in der zweiten Flair-Generation für die Integration des tief liegenden Fahrerhauses. Darüber hinaus bleibt es auch Flair-Käufern nicht erspart, auf defekte Duschwannen und Waschbecken zu achten, die bevorzugt am Abfluss reißen.

Die von Besitzern genannten Mängel legen es außerdem nahe, die Funktion der Bordtechnik gründlich zu prüfen. Da gibt es mehr zu tun als in der Mittelklasse. So können beispielsweise die Schläuche der Warmwasserheizung alterungsbedingt undicht werden.

Basisfahrzeug

Taugt der Fiat Ducato als Basis für ein Luxusmobil? Bei den Fahreigenschaften bekommt der Flair von den Besitzern gute bis befriedigende Noten.

Dass die zweite Ducato-Generation in dieser Rolle an Grenzen stößt, kann man etwa an der stark belasteten Vorderachse feststellen. Mit den serienmäßigen Federn ist die Zuladung vorne gering. Manch ein Flair holpert ohne nennenswerten Federweg auf den Anschlägen dahin.

Eine hohe Belastung deuten zudem häufiger genannte Schäden an: Flair-Eigner berichten von gebrochenen Antriebswellen, defekten Traggelenken und verschlissenen Kupplungen. Selten, aber häufiger als bei leichteren Modellen kommt es zu Motorschäden. Speziell der zuerst verwendete 115-PS-Motor wird meist unter Volllast gefahren. Hohe Kilometerleistungen gehen auch an den Hinterachsen des Alko-Fahrgestells nicht spurlos vorüber. Hier können die Drehstabfedern brechen. Ältere Alko-Achsen verlangen übrigens regelmäßige Pflege durch klassisches Abschmieren, was der Fiat-Service nicht automatisch übernimmt.

Typisch für den Flair sind wohl auch Schäden an der Klimaanlage, oft ist ein defekter Kompressor schuld. Bei anderen Reisemobilen wurde dieses teure Extra in den 1990er Jahren noch selten geordert.

Die weniger verbreiteten Flair mit Iveco- oder Mercedes-Chassis zeigten sich in der Umfrage unauffällig. Größter Kritikpunkt am einfacher gebauten Flair auf Mercedes ist das schwammige Fahrverhalten – das krasse Gegenteil der Fiat-Alko-Kombination.

Marktlage

Vor 20 Jahren kostete ein integrierter Flair mit typischen Extras rund 150.000 Mark. Heute ist er auch für Normalverdiener in Reichweite gerückt. Wer ein Modell der ersten Generation sucht – wie das hier abgebildete Angebot –, bekommt für weniger als 30.000 Euro eine gute Auswahl. Wer ein kürzeres Modell aus den ersten Baujahren wählt, kann auch einen Flair für weniger als 20.000 Euro finden.

Die ab Mitte 1999 gebauten Flair der zweiten Generation werden spürbar teurer gehandelt. Der Markt spielt sich hier vor allem zwischen 30.000 und 40.000 Euro ab. Sehr gepflegte und reich bestückte Exemplare sind manchmal kostspieliger.

Im Vergleich zu mittelklassigen Teilintegrierten erscheinen integrierte Flair allerdings nicht überteuert. Sie können ihre hochwertige Aufbausubstanz, eine überdurchschnittliche Ausstattung und das unvergleichliche Liner-Fahrgefühl in die Waagschale werfen. Mit etwas Glück kann man hier ein Luxus-Schnäppchen machen.

DATEN UND FAKTEN

Baureihe Niesmann + Bischoff Flair i (Baujahre 1994 bis 2006)

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Mercedes Sprinter, Iveco Daily
Bauweise: Integrierter mit Alu-Außenhaut, XPS-Isolierung
Sitz-/Schlafplätze: 3–6/4–6

Vorgestelltes Modell: Niesmann + Bischoff Flair 6700 i TA
Erstzulassung: 5/1997
Kilometerstand laut Tacho: 116.500
Preis: 24.000 Euro
Zulässiges Gesamtgewicht: 4500 kg
Gesehen bei: Womo-Partner, 68519 Viernheim

Darauf müssen Sie beim Gebrauchtkauf eines Flairs achten:
  • Heckgarage: Durch Undichtigkeiten dringt oft Wasser in die hölzerne Bodenplatte der Garage. Wenn es dort bereits modert, ist eine teure Sanierung fällig.
  • Heizung: Vom ersten Modelljahr an boten die Flair-Modelle den Komfort einer Warmwasserheizung. Am komplexen System kommt es manchmal zu Ausfällen und Undichtigkeiten.
  • Kühlschrank: Schon früh setzte Niesmann + Bischoff auf Kühlung mit automatischer Energiewahl. Erst bei späteren Modellen wurde die Steuerung wirklich zuverlässig.
  • Bugverglasung: Der vordere Glaspalast verlangt im Sommer eine Klimaanlage im Fahrerhaus. Viele Flair-Käufer orderten damals diese Option, doch nicht immer funktioniert die Klimaanlage auch heute noch. An der Frontscheibe und den Seitenfenstern kommt es schon mal zu Dichtigkeitsproblemen.
  • Motor: Frühe Flair müssen mit 115 PS auskommen – nach heutigen Maßstäben zu wenig für ein Luxusmobil. Der Motorzugang lässt zu wünschen übrig.
  • Fahrgestell: Bei den Fiat- basierten Modellen ist die Zuladung an der Vorderachse knapp. In einigen Fällen löst sich die Verbindung von Aufbau und Ducato-Triebkopf.
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promobil Archiv

Datum

11. Mai 2016
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