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Reifendruck-Kontrollsystem: Aktuelle Drucksache

Elektronische Reifendruck-Kontrollsysteme sind seit dem 1. November 2014 für neue Pkw und manche Wohnmobile Pflicht. Welche Modelle sind betroffen, und was bringen diese Systeme eigentlich?

Für alle seit dem 1. November 2014 neu zugelassenen Pkw ist ein EU-konformes Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) zwingend nötig. Einen Teil der Wohnmobile betrifft diese Vorschrift auch.

Welche Campingbusse und Wohnmobile sind tatsächlich von der Ausrüstungspflicht betroffen?

Zunächst erfasst die Vorschrift generell alle Fahrzeuge der Typklassen M1 und M1G. Darunter versteht man die Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, das sind alle PKW und Wohnmobile sowie Geländewagen. In den seitenlangen Anhängen der Verordnung findet sich allerdings für M1-Fahrzeuge mit mehr als 2.500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht die Ausnahmeregelung "G". Sie besagt, dass für Fahrzeuge mit Mehrstufen-Typgenehmigung auch die Anforderungen für die Klasse des Basisfahrzeugs herangezogen werden können.

Da der größte Teil aller Wohnmobile genau nach diesem zweistufigen Verfahren homologiert wird und auf Transportern oder Leicht-Lkw basiert, gelten somit nur die weniger weitreichenden Vorschriften für Nutzfahrzeuge (Typklassen N1–N3). Für sie ist bislang auch kein Reifendruck-Kon­trollsystem vorgeschrieben. Das bedeutet im Klartext, dass nur zwei Gruppen von Reisemobilen direkt betroffen sind: Zum einen Modelle bis 2,5 t Gesamtgewicht, also etwa Minicamper auf Basis von VW Caddy oder Renault Kangoo. Zum anderen Modelle ab 2,5 t Gesamtgewicht, die von Anfang an einstufig nach M1 homologiert wurden. Das sind vor allem die Campingbusse der Pkw-Hersteller, also der VW California, der Mercedes Marco Polo und der Ford Nugget.

Gibt es noch irgendwelche Übergangsfristen?

Nein. Denn neu typgenehmigte Modelle der betroffenen Klassen müssen bereits seit dem 1. November 2012 mit einem Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS oder englisch TPMS = Tire Pressure Monitoring System) ausgestattet sein. Nun gilt dies für alle Neuzugelassenen. Ob ein junger Gebrauchter eventuell auch schon dazu gehört, kann anhand des Datums der Homologation überprüft werden, das in der Regel unter Ziffer 6 in der Zulassungsbescheinigung eingetragen ist.  

Wie erkenne ich, ob ein Fahrzeug mit RDKS ausgestattet ist?

An einer entsprechenden Taste im Cockpit oder am kurzen Aufleuchten der Warnleuchte beim Anstellen der Zündung.  

Was bringen diese Systeme eigentlich, und sind sie für Wohnmobile generell sinnvoll?

Die EU schreibt die RDK-Systeme nun vor, weil der schleichende Druckverlust in den Reifen oft unbemerkt bleibt. Neben einem erhöhten Kraftstoffverbrauch sorgt ein zu geringer Reifendruck aber auch für längere Bremswege und ein erhöhtes Risiko von Reifenschäden – ist damit also sicherheitsrelevant. Das gilt für alle Fahrzeuge und insbesondere auch für Wohnmobile, die oft  stark beladen unterwegs sind, was entsprechend hohe Reifendrücke erfordert. Man kann davon ausgehen, dass solche Systeme früher oder später für alle Fahrzeuge obligatorisch werden.

Sind RDK-Systeme überhaupt schon für gängige Wohnmobile verfügbar?

Bei allen jüngst überarbeiteten Basisfahrzeugen wie dem Mercedes Sprinter, dem Ford Transit, aber auch dem Fiat Ducato sind RDK-Systeme optional verfügbar. Allerdings taucht dieses Extra noch nicht überall in den Aufpreislisten der Wohnmobilhersteller auf. Hymer bietet das entsprechende System für die B-Klasse auf Ducato beispielsweise für 160 Euro zusätzlich an.

Wie arbeiten diese  Systeme – sind  alle gleich?

Für Pkw gibt es indirekte Systeme, die nur die ESP-Sensorik nutzen. Alle RDKS für schwerere Fahrzeuge basieren aber auf direkt messenden Systemen mit Drucksensoren in den Reifen. Diese senden bei Druckverlust ein Warnsignal an die Steuereinheit.   

Müssen auch Winter- und Ersatzräder damit ausgerüstet sein?

Bei den direkt messenden Systemen müssen auch die Winterräder mit entsprechenden Sensoren ausgestattet werden. Reserveräder sind dagegen ausgenommen.

Wie lange halten die Sensoren? Welche Folgekosten sind zu erwarten?

Die Nutzungsdauer der Sensoren soll bei sechs bis sieben Jahren liegen. Ein neuer Reifensatz wird damit um rund 200 Euro teurer werden.

So wichtig ist der richtige Luftdruck

Schon 0,5 bar zu wenig Reifendruck kann den Bremsweg besonders auf nasser Fahrbahn um rund zehn Prozent verlängern. Deutlich schlechter werden auch Seitenführung und Rollwiderstand. Besonders Druckverlust an den Hinterrädern kann trotz ESP zum Schleudern führen.

Foto

Thiemo Fleck

Datum

29. November 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 11/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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