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Harald Striewski: Der Hobby-Kapitän

Vor über 45 Jahren gründete Harald Striewski die Marke Hobby – und bestimmt seitdem den Kurs. Besuch beim kreativen Unternehmenslenker, der im Januar seinen 75. Geburtstag feiert.

Das Steuerrad passt. Nicht unbedingt in das akkurat eingerichtete Büro, wo es irritierend zufällig an der Wand lehnt. „Das haben mir meine Mitarbeiter mal geschenkt“, erklärt Harald Striewski. Das Rad steht dort  wie bestellt für den Fototermin mit dem Gründer und Chef der Marke Hobby. Seit mehr als vier Jahrzehnten lenkt Harald Striewski die Geschicke des Herstellers. Reisemobilfahrer kennen ihn als Erfinder des legendären Hobby 600. Und alles deutet darauf hin, dass er auch weit nach seinem 75. Geburtstag ein großes Rad in der Freizeitfahrzeugbranche dreht.

Ein Leben als Ruheständler?

Striewski hat es probiert. Gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg ging er vor einem Jahr auf Weltreise. Doch das entspannte Leben auf dem Traumschiff war ihm nicht genug. „Irgendwann wiederholt sich alles. Nach drei Monaten fehlte mir etwas.“ Wer an einem Arbeitstag mit Striewski unterwegs ist, kann es verstehen.

Freundliches Winken begleitet ihn auf seinem Weg über das Werksgelände im schleswig-holsteinischen Fockbek bei Rendsburg. Der Inhaber kennt einen großen Teil der über 1000 Mitarbeiter persönlich. Einige sind mehr als 30 Jahre an Bord. Striewski nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch, weiß alle Details in der Caravan- und Reisemobilfertigung.
Wenn er dem Besucher von hochpräzisen Maschinen und rationeller Produktion erzählt, steckt seine Begeisterung selbst Nicht-Ingenieure an. Bei Hobby baut man sogar Caravan-Chassis und Rahmenverlängerungen für Reisemobile selbst.

Ideenreichtum mit südländischen Inspirationen

Die Ideen dafür? Sie stammen von Harald Striewski. Als einer der Gründerväter in der Freizeitfahrzeugbranche ist er es seit jeher gewohnt, neue Wege zu beschreiten. Man muss sich beeilen, um mit Harald Striewski Schritt zu halten.

Das gilt auch für Besucher, die ihn beim zügigen Gang durch die großen Produktionshallen begleiten. Der 75-Jährige hält sich durch Tennis und Radfahren fit. Doch das ist nicht alles. Das Unternehmen ist für Harald Striewski zu einem kreativen Hobby geworden. Bei der Firmengründung vor 45 Jahren ahnte er wohl selber nicht, wie gut der Markenname einmal passen würde. Selbst die Entwürfe für das Verwaltungsgebäude stammen vom Chef persönlich. Mit dem Öffnen der Tür wechselt man an diesem neblig-kühlen Tag in eine andere Welt. Das weitläufige Treppenhaus versetzt die Besucher mit Palmen, Säulen und Gemälden in die Wärme des Südens. „Die Leute sollen sich in dem Gebäude wohlfühlen“, sagt Striewski und setzt hinzu: „Und ich mich auch.“

Die Inspiration für manche Idee liegt weit im Süden. Harald Striewski hat sich auf Mallorca vor langer Zeit ein Haus am Meer gebaut - selbstverständlich nach eigenen Plänen. Einige Jahre lang lag sogar eine von ihm entworfene 28-Meter-Luxusyacht davor. Heute ist es ein kompakteres, kaum weniger exklusives Serienmodell. Die Leidenschaft für Boote hat den studierten Schiffbauingenieur nie losgelassen, und sie beschränkt sich längst nicht nur auf handliche Exemplare: „Kreuzfahrtschiffe kenne ich fast alle. Da könnte ich an einem Quiz teilnehmen.“

Mit dem Weitblick eines erfahrenen Kapitäns schaut Harald Striewski über den Tellerrand der Reisemobil- und Caravan-Entwicklung hinaus. Wohl deshalb sehen manche Hobby-Reisemobile etwas anders aus als andere. Ihren Ursprung haben sie alle auf dem Schreibtisch des Firmengründers.

Striewskis Büro liegt etwas abseits des Haupteingangs; das operative Kommando hat er zwei Geschäftsführern übertragen. „Ich habe den Kopf frei“, erzählt er und wendet sich einem ganzen Stapel von Designskizzen zu. Unermüdlich bringt der Ingenieur Formen und Ideen zu Papier und verrät: „Höchstens fünf Prozent davon gehen einmal in Serie.“ Mit Bleistift und Kurvenlineal entstehen yachtähnliche Einrichtungen und gerundete Aufbauformen. Ein wenig Schiffbau steckt immer mit drin.

Auf dem Schreibtisch von Harald Striewski sucht man vergeblich nach Bildschirm oder Tastatur. Dafür steht zwei Türen weiter gleich eine ganze Batterie von Computern. Hier setzen Entwickler die Entwürfe in die digitale Neuzeit um.

An Ideenmangel liegt es sicher nicht, dass der Hobby-Chef die oft hektischen Modellwechsel bei den Freizeitfahrzeugen skeptisch betrachtet: „Wenn bei uns etwas wirklich Neues kommt, muss es fünf Jahre laufen.“ Und noch etwas läuft bei Hobby grundsätzlich anders als bei vielen Wettbewerbern. Der Caravan stand nie im Schatten der Reisemobile, sondern im Mittelpunkt.

Dieses klare Bekenntnis, das Striewski zuletzt sogar mit prominent platzierter TV-Werbung unterstrich, macht Hobby seit Jahren zum Weltmarktführer unter den Caravanherstellern. Seit 1998 trägt die Tochtermarke Fendt ihren Teil zur starken Marktposition bei.

Wäre da nicht noch Platz für weitere Freizeitfahrzeugmarken in der Gruppe? „Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin Techniker“, stellt Striewski mit norddeutscher Zurückhaltung fest und spielt darauf an, dass er sein Kapital stets in die eigene Firma steckt: „Krisen kann ich wunderbar überstehen.“ Diese Gewissheit ist das Ergebnis harter Arbeit. Im Alter von sieben Jahren kam er als Flüchtlingskind mit Mutter und Bruder von Ostpreußen nach Schleswig-Holstein, buchstäblich mit dem letzten Hemd.

„Die Armut hat in mir einen enormen Ehrgeiz entfacht“, sagt Striewski und erzählt, wie er 1965 den ersten Caravan für geliehene 3000 Mark baute und für 6000 Mark verkaufte. Der Grundstein für Hobby war gelegt. Bereits 1982 liegt die Marke in der Zulassungsstatistik vorne. 1984 entsteht der erste Hobby 600.

Nur auf Nachfrage berichtet Striewski von der Firmengeschichte, die Erfolg an Erfolg reiht. Ein Kapitän blickt lieber nach vorne. Erst als Harald Striewski von seinen Plänen für eine Erneuerung der Reisemobile spricht, Skizzen und Entwürfe zeigt, ist er wieder voll in seinem Element. Man glaubt ihm jedes Wort, wenn er ganz nebenbei bemerkt: „Ich bin froh über jeden Tag, den ich hier verbringen darf.“

Report: Günstige Reisemobile

Datum

27. Januar 2012
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