Alles über Hymer ML-T
Was sagen die Leser über den Hymer ML-T 20 Bilder Zoom

Leser testen den Hymer ML-T: Testurlaub mit dem schlanken Teilintegrierten

Seit Anfang 2014 bereichert der schlanke Teilintegrierte auf Mercedes Sprinter das Hymer-Programm. Zehn promobil-Leser hatten im Herbst Gelegenheit, den ML-T ausführlich zu testen.

Schlanke T-Modelle auf Mercedes-Basis gibt es nicht viele. Doch ganz allmählich kann sich der Sprinter ein wenig aus dem langen Schatten des Fiat Ducato lösen. Mit seiner geringeren Spurweite an Vorder- und Hinterachse bietet er sich jedenfalls gerade für schmalere Wohnmobilaufbauten eher an als für normalbreite. Beim nur 2,22 Meter breiten Hymer ML-T gehen Aufbau und Basis eine optisch harmonische Beziehung ein. Im Urlaubsalltag von Wohnmobilisten zählt indes der Innenausbau mindestens ebenso viel. Und da man diesen am besten in der Praxis beurteilen kann, luden wir zehn Leser zu einem 10-tägigen kostenlosen Probeurlaub: dem ersten Lesertest eines Wohnmobils der sogenannten Van-Klasse. Zu Fragen und Anregungen stand auch Hymer Rede und Antwort.

Eine klare Erkenntnis steht am Ende fest: Der Sprinter hat zehn neue Fans. Mit gut bis sehr gut bewerten die Leser die Fahreigenschaften des Hymer ML-T. Auf insgesamt über 5.250 Testkilometern überzeugte die Basis; einige hatten sich nur beworben, um mal ein Wohnmobil auf Mercedes Sprinter zu fahren.

Wie kommt die Automatik bei den Lesern an?

Dessen besondere Stärke: die moderne Wandlerautomatik 7G-Tronic, mit der alle Testmobile ausgestattet waren. Selbst Bettina und Horst Kühne, für die das Wandlergetriebe zunächst ungewohnt ist, sind am Ende überzeugt: "Feine Sache, auch im Stau."

Nur bergab greifen manche Leser lieber manuell ein, weil die Automatik ihnen zu früh hochschaltet und der Wagen einem dann davonrollt. Rosi und Armin Nerath, die die gemütliche Gangart schätzen, fühlen sich jederzeit sicher, kommen am Ende auf einen Durchschnittsverbrauch von 8,5 L/100 km. Mit 11,3 L im Schnitt nicht ganz so sparsam waren Rita und Frank Hommel unterwegs, die sich den einzigen Sechszylinder im Feld sichern können und von dem 190-PS-Boliden hellauf begeistert sind.

Goldschmitt-Fahrwerk: Wie ist das Fahrgefühl?

Das Fahrwerk des ML-T, dem Hymer eigens von Goldschmitt mit stärkeren Stabilisatoren das bekannte Schaukeln abtrainieren lässt, wird unterschiedlich beurteilt. Während Angela und Michael Wenzien "wie auf Schienen" unterwegs sind und manch überraschten Pkw-Fahrer hinter sich lassen, müssen sich Anneke und Nico Rönitz erst daran gewöhnen, dass der Mercedes doch stärker wankt als etwa ein Fiat Ducato. Die Federung empfinden die Tester aber durchweg als komfortabel, wozu nicht zuletzt auch die zurückhaltende Geräuschkulisse beiträgt.

Besondere Handlichkeit attestieren alle Tester dem ML-T, was vor allem an der geringeren Aufbaubreite liegt. Dies zahle sich nicht nur auf kurvenreichen Alpenpässen aus, sondern auch im Stadtverkehr, bei der Parkplatzsuche, beim Verladen auf den Autozug oder beim ganz simplen Rangieren auf dem Stellplatz. Sehr wendig ist der ML-T laut Familie Hommel zudem, aber den Hecküberhang müsse man gut im Auge behalten. In der Tat ist der Radstand beim ML-T deutlich kürzer als etwa beim gleich langen Exsis-T 588. Familie Wenzien betont: "Der ML-T ist mit seinen guten Fahreigenschaften vor allem ein Mobil zum Reisen." Im Gegensatz zu einem Wohnmobil üblicher Breite, das zwar mehr Platz im Innenraum bietet, aber naturgemäß eben auch unhandlicher ist.

Genug Platz und Stauraum trotz schmaler Breite?

Mehr Platz haben nur wenige Tester vermisst – zumindest nicht im Urlaub auf Probe. Die Raumaufteilung sei für zwei Personen gar "perfekt", wie Rita Hommel sagt. Familie Rönitz findet sogar, dass der ML-T fast zu viel Stauraum biete. Armin und Rosi Nerath sind rundum zufrieden. Nur Familie Kühne fehlt es, ausgehend vom Gepäckbedarf für vier Wochen Urlaub, an Stauraum. Und mehr Bewegungsfreiheit wünschten sich die beiden ebenfalls, da sie "einfach ein größeres Mobil gewohnt" seien. Wie unterschiedlich doch die Ansprüche sind.

Einig sind sich dagegen alle Tester darin, dass die Garage absolut ausreichend dimensioniert und für den Fahrradtransport gut gerüstet sei. Auf den hohen, aber sehr schmalen Kleiderschrank neben der Küche könnten fast alle verzichten, da es unter dem Bett ausreichende, gut zugängliche Möglichkeiten für Jacken und Hemden gebe. "So wäre auch mehr Platz für eine größere Arbeitsfläche an der Küche", schlägt Anneke Rönitz vor. Das Paar aus den Niederlanden ist übrigens das einzige, das auf den drei Kocherflammen besteht. Den anderen Paaren, obwohl alle im Urlaub regelmäßig kochen, genügten zwei. Interessant ist die Antwort von Hymer: "Der ML-T soll nicht als Sparmobil daherkommen."

Stauraum für Geschirr und Vorräte ist reichlich vorhanden. Der schmale Kühlschrank gefällt den Testern ebenso wie die Beleuchtung. Nicht nur Angela Wenzien fällt allerdings auf, dass die Steckdose ungeschickt angebracht ist. Erstens geht das Licht immer an, wenn man den Deckel aufmacht, zweitens ragt dieser in den schmalen Gang. Hymer prüft eine Änderung.

Welche Mängel hat der Hymer ML-T?

Bis auf Kleinigkeiten wie den wackeligen Holzrost in der Dusche oder die unvollständige Dichtfuge um das Waschbecken sind fast alle Tester mit dem Sanitärraum zufrieden. Während die Anmutung durchweg Eindruck macht, reichen die Angaben zur Dusche von "etwas klein" bis "super". Die Herren der Schöpfung haben allerdings Probleme mit dem Platz für ihre Männlichkeit in der Banktoilette.

Der Zustieg zu den Einzelbetten ist prima. Die Liegeflächen empfinden die Leser als groß genug. Trotz schmaler Innenbreite von 2,05 Meter und obwohl die Länge nur 1,94 bzw. 1,87 Meter beträgt. Gelegentlich drückt man die Rollos der seitlichen Fenster ein, sofern man nicht die als Schutz vorgesehenen Sperrholzbrettchen davorstellt. Die Kopffreiheit: zum Aufsetzen gut, am Kopfende unter den Hängeschränken knapp, obwohl Hymer diese bewusst schlank hält. Der Schlafkomfort erhält im Schnitt eine "Zwei plus". Bandscheibenpatienten wie ihm empfiehlt Armin Nerath aber die optionalen, nachgiebigeren Tellerfedern statt des serienmäßigen Abstandgewebes. Weitere Anregungen: ein Orientierungslicht für die Nacht und eine Steckdose.

Und das Wohnzimmer?

Die meisten Paare finden die hintere L-Bank gemütlich, Familie Wenzien hält sie für überflüssig – erstaunlich. Für zwei ist die Sitzgruppe laut Frank Hommel absolut in Ordnung, nur seien die optionalen Aguti-Pilotensitze sehr wackelig. Dass sie sich wegen des schmalen Fahrerhauses umständlicher drehen lassen als beispielsweise beim Fiat Ducato, fiel allen Testern auf. Ebenso die ungünstige Platzierung des Fernsehers, dessen Halterung an der Kopfstütze der Rückbank schleift. Noch eine Anregung aus der Praxis, die Hymer prüfen wird, wie Bernhard Kibler verspricht. Insgesamt ist der Geschäftsbereichsleiter zufrieden, wie der ML-T bei den Testern ankommt. Der Mut, auf Mercedes zu setzen, hat sich gelohnt.

Die Touren der Leser

5.255 km Testfahrt: Das macht über 1.000 km je Testerpaar, mehr als 100 km täglich.

  • Am fleißigsten machen Rita und Frank Hommel Strecke. Der Sechszylinder verleitet zum Vielfahren: Die beiden Sachsen verschlägt es bis nach Venedig. Die Testwagen sind fast alle mit tragfähigerem Chassis und 4,2 t Gesamtgewicht ausgestattet.
  • Trotz Go-Box-Gebot entscheiden sich auch Rosi und Armin Nerath für die Tour durch Österreich, meistern insgesamt sieben Pässe, auf denen der ML-T sein Spitzkehren-Talent beweisen kann. Dass sie auf Sat-Anlage und Fernseher verzichten müssen, haben die beiden genossen.
  • Bettina und Horst Kühne zieht es nach einer ersten Übernachtung am Bodensee in die Heimat nach Übersee. Den ML-T nutzen sie dabei als Basislager für mehrere Radtouren – das klappt dank großer Garage prima, auch wenn beide erst skeptisch sind, ob sie wohl ihr ganzes Reisegepäck in dem schlanken Van unterbringen.
  • Angela und Michael Wenzien gehen es gemütlich an. Mehr als einmal müssen sie wissbegierigen Stellplatznachbarn den ML-T vorführen. Aus dem geplanten Besuch der Zugspitze wird nichts. Bei trübem Wetter lernen sie indes die heimelige Ambientebeleuchtung schätzen. Der Regen offenbart aber auch ein Manko: Vom Markisenende tropft es bei offener Tür direkt in den Einstieg.
  • Nico und Anneke Rönitz aus Holland ließen es sich am Bodensee und in der Schweiz gut gehen – inklusive Autoverladung. Trotz geringer Aufbaubreite laden die Außenspiegel weit aus, aber das Manövrieren im Zug klappt gut. Die Heimreise treten schließlich alle wieder im eigenen Wohnmobil an.

Alle Daten zum Hymer ML-T 580

Preis: ab 64.990 Euro
Basis: Mercedes Sprinter, Leiterrahmen, Heckantrieb, ab 95 kW (129 PS)
Gesamtgewicht: 3.500-4.200 kg
Länge/Breite/Höhe: 6.950 x 2220 x 2.900 mm
Empfohlene Personenzahl: 2
Charakter: Die Kombination des ML-T aus schmalem Aufbau und Mercedes-Sprinter-Basis ist eine ganz besondere. Der Teilintegrierte verbindet Handlichkeit, hohen Fahrkomfort und beste Traktion dank Heckantrieb. Neben dem getesteten 580 mit Einzelbetten gibt es noch ein gleich langes Modell mit Querbett, den ML-T 560.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Andreas Becker

Datum

16. Dezember 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 12/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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