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Teststrecke mit Mercedes Sprinter und Fiat Ducato 14 Bilder Zoom

Neuer Seitenwind-Assistent für Mercedes: Mehr Sicherheit im Wohnmobil bei Seitenwind?

Fahrer von Reisemobilen kennen das: Kaum hat man den Lkw überholt und ist aus dem Windschatten raus, packt eine unsichtbare Kraft das Mobil und bringt es ins Schlingern, mal mehr, mal weniger heftig.

Seitenwind ist bei Fahrten mit großen Freizeitfahrzeugen ein ständiger Begleiter. Und wer sich die riesigen Angriffsflächen ansieht, die Reisemobile dem Wind bieten, wundert sich darüber im Prinzip auch überhaupt nicht. Das kurze Gegenlenken beim Überholen ist vielen schon fast zur Gewohnheit, zur automatischen Reaktion auf ein erwartetes Fahrverhalten geworden.

Was glücklicherweise nur selten gefährlich wird, kann einem im Ernstfall den Schweiß auf die Handflächen treiben. Dann nämlich, wenn aus dem zarten Lufthauch eine veritable Sturmböe wird. Autobahnbrücken, Passhöhen oder das Ende von bewaldeten Strecken sind übliche Stellen, die Reisemobilisten ebenso viel Respekt einflößen sollten wie das erwähnte Überholen von Lkw.

Besseres Fahren mit dem Mercedes Seitenwind-Assistent?

Entspannteres und sichereres Fahren verspricht der Seitenwind-Assistent, den Mercedes nun auch an Sprinter-Fahrgestelle für Reisemobile anpasst. Hymer bietet ihn als erster Hersteller im schlanken ML-T serienmäßig an. Was das neue Assistenzsystem wirklich bringt, wollen wir im Vergleich mit einem ähnlich dimensionierten Reisemobil auf dem beliebten Fiat Ducato herausfinden. Der Versuch ist auch deswegen interessant, weil der Sprinter mit seinem weicher abgestimmten Fahrwerk generell als wankempfindlicher gilt als der deutlich straffer gefederte Ducato. Wie sensibel also reagieren die beiden Teilintegrierten von Hymer und Weinsberg auf Seitenwind?

Der Seitenwind-Assistent im Test

Optimale Bedingungen für einen kontrollierten, reproduzierbaren Test finden sich mitten auf dem Mercedes-Werksgelände im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim auf der sogenannten Einfahrbahn. Zu den Herausforderungen für Fahrwerke und Aufbauten gehört hier auch eine Seitenwindgasse. 16 Ventilatoren mit zirka zwei Meter Durchmesser erzeugen konstanten Seitenwind, der mit 80 bis 90 km/h auf die rund 20 Quadratmeter großen Seitenflächen beider Reisemobile trifft. Auf der Windstärkenskala von 0 bis 12 entspricht das Stufe 9, wobei reale Windböen noch ungleich stärker blasen können. Rund 40 Meter ist die Passage lang.

In etwa zehn Meter Abstand passieren Hymer und Weinsberg die Turbinen. Da der Einfluss des Seitenwindes stark von der Fahrgeschwindigkeit abhängt, testen wir mit unterschiedlichen Tempi.

Tests bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten

Ab 80 Stundenkilometer ist das Sicherheitssystem aktiv. Ein Eingriff bei niedrigeren Geschwindigkeiten erweist sich im ersten Anlauf tatsächlich auch als unnötig. Bei 80 km/h bleiben beide Mobile gleich gut beherrschbar. Sowohl der Fiat als auch der Mercedes versetzen nur leicht. Der Ducato erfordert lediglich eine kleinere Lenkkorrektur, um wieder in die Spur zu kommen. Beim Sprinter ist vom Regeleingriff fast nichts zu spüren.

Im zweiten Anlauf bei Tempo 100 wird der Einfluss des Seitenwindes wesentlich deutlicher. Ebenso die Wirkung des neuen Assistenten im Hymer ML-T. Der Weinsberg-Ducato versetzt stärker, ohne Gegenlenken würde der Teilintegrierte die Nebenspur zumindest tangieren. Auch der Hymer-Sprinter macht eine leichte Ausweichbewegung, bleibt jedoch noch in seiner Spur. Ein leichtes Versetzen des Mobils ist von Mercedes durchaus eingeplant. Der Fahrer soll weder komplett von seinen Aufgaben entbunden werden noch über die äußeren Einflüsse im Unklaren bleiben.

Wie stark kommt ein Wohnmobil von der Spur ab bei 120 km/h?

Kein Zweifel, es bläst: Mit erhöhter Achtsamkeit nehmen wir also den letzten Durchgang unter die Räder. Bei 120 km/h reagieren beide Reisemobile abermals wesentlich heftiger auf den Seitenwind als beim Versuch zuvor. Der Ducato wird auf die Nebenspur abgedrängt. Der Fahrer muss ins Lenkrad greifen, um das T-Modell wieder auf Kurs zu bringen. Dank straffer Fahrwerksabstimmung bleibt das Fahrzeug zwar gut beherrschbar, doch beim erneuten Gegenlenken giert der Wagen empfindlich um die Hochachse. Beim Sprinter ist der Regeleingriff deutlich spür- und sogar hörbar. Für einen kurzen Moment, typischerweise für die Dauer von einer Sekunde, werden die dem Wind zugewandten Räder hart abgebremst. Hätte der Fahrer Muße für einen Blick auf die Instrumente, könnte er dort auch einen Hinweis auf den Eingriff sehen. Das gleichzeitig angesteuerte Bremslicht warnt den Hintermann. Da das Fahrzeug erneut nur wenig versetzt wird und in der Spur bleibt, bleibt der Aufwand für die Richtungskorrektur überschaubar.

Der kurze Bremseingriff verlangsamt den Wagen nur unwesentlich, so dass der Verkehrsfluss nicht gehemmt wird. Das primäre Ziel ist die Stabilisierung des Fahrzustands, ähnlich wie beim ESP, dessen Sensoren auch der Seitenwind-Assistent nutzt. Sie registrieren exakt, welche Kräfte durch eine Windböe auf das Mobil einwirken. Dieses Störmoment kompensiert das selektive Abbremsen wirkungsvoll und hält so das Fahrzeug auf Kurs.

Test-Fazit des Mercedes Seitenwind-Assistent

Aufmerksame Fahrer sind auch mit Ducato-Chassis stabil unterwegs, müssen bisweilen aber kräftig ins Lenkrad greifen. Der Seitenwind-Assistent im Hymer ML-T entlastet den Fahrer hier spürbar, indem er ihm effektiv Lenkarbeit abnimmt und brenzlige Situationen automatisch entschärft. Da das Regelsystem individuell an jeden Mobiltyp angepasst werden muss, lässt eine flächendeckende Einführung des Assistenzsystems für Reisemobile aber noch auf sich warten.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Jacek Bilski, Martin Stollberg (3)

Datum

14. Januar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 01/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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