Alles über VW California Club
VW Nostalgietour 32 Bilder Video Zoom

60 Jahre VW Bulli: Die Unsterblichen

Eine Legende wird 60: Der VW Campingbus hat wie kein anderer Urlauber mobilisiert Zum Jubiläum durften die unverwüstlichen Klassiker noch einmal wie in alten Zeiten ab über alle Berge...

Den Motorradfahrern geht es mal wieder nicht schnell genug. Einer nach dem anderen taucht gefährlich groß im Rückspiegel des T2 Helsinki auf, blinkt, zieht raus, rauscht vorbei. In der Jugendzeit des Campingbus-Klassikers war der Ansturm auf der Großglockner-Hochalpenstraße noch überschaubar, das Tempo gelassener.  Und heute? Für eine Gebühr von 29 Euro teilt man sich Österreichs höchste Passstraße neben Motorrädern mit Radfahrern, Lieferwagen und Omnibussen. Fast alle sind schneller und wollen vorbei. Mal abgesehen von den mühsam strampelnden Radlern. Dem T1 Camper vor uns, der bei Kilometer null in Bruck das Feld der Bulli-Raritäten in den 17 Kehren langen Anstieg geführt hat, geht irgendwann die Puste aus. Genau genommen passiert es bei Kehre acht in 1851 Metern Höhe, dass er nach dem ersten Gang verlangt. Unser ebenfalls luftgekühlter T2 strotzt zwar auch nicht vor purer Kraft, zieht aber relativ souverän seine Bahn. Die Landschaft fliegt nicht vorbei, es ist mehr ein allmähliches Vorbeigleiten. Aber ein Ausflug ist kein Rennen. Außerdem fährt das Gewissen mit und mahnt hin und wieder zur Nachsicht mit dem Oldie. Nimmt man ihn mit seinen 33 Lenzen vielleicht zu hart ran? Immerhin drückt der Fuß das Gaspedal beharrlich gen Bodenplatte. Nur keinen Schwung verlieren, lautet die Devise am Berg. Mit Mühe zittert sich die Tachonadel auf Tempo 40. Den Bus mit seinem dünnen Volant durch die Kurven zu zirkeln erspart gefühlt eine Woche Fitness-Studio. Seit Kehre sechs brennen die Händflächen, und ein leichtes Ziehen in den Armen kündet von einem Muskelkater am nächsten Tag.  Wie haben die das damals nur gemacht? Oder sind wir einfach zu verwöhnt heute? Sind wir, und gehetzt dazu. Alles muss immer schneller gehen. Doch da macht der alte Bulli nicht mit. Ein gefahrener Kilometer entspricht von der Wahrnehmung her einer halben Ewigkeit. Herrlich, wenn man sich darauf einlassen kann.  Man kann: Rechtzeitig vor der Passhöhe in 2503 Metern  Höhe ist das Bulli-Feeling da.

Vorbei die anfänglichen Probleme: Die Gangwechsel gehen nun flüssig von der Hand und arten nicht mehr in Rührorgien aus. An die Sitzposition über der Vorderachse hat man sich gewöhnt. Ebenso an das Spiel in der Lenkung und den undefinierten Druckpunkt der Kupplung. Der T2 hat uns in seine Zeit geholt und ganz nebenbei den Großglockner bezwungen. In seinem laubgrünen Blechkleid ist er hier oben in der kargen Felslandschaft ein willkommener Farbklecks. Ja, da haben sich die Designer was getraut. Und mit den Sitzpolstern erst: Schottenkaro in Grün, Gelb, Orange und Schwarz. Wie sich der Geschmack doch ändert. Erstaunlich dagegen, wie robust die jahrzehntealte VW-Technik ist. Die Bullis aller Generationen verrichten, ohne zu schwächeln, ihren Dienst. Lob gebührt bei unseren T2 Helsinki auch dem Ausbau von Westfalia. Kocher, Kühlschrank, Kleiderschrank, alles an Bord und  vor allem richtig durchdacht. Nach Herausklappen des Kochers entsteht hinter den Fahrersitzen eine Küchenzeile. Links unten ist der Gasvorrat, rechts der Kühlschrank untergebracht. Und wer mit zwei Handgriffen das Aufstelldach hochklappt, erzielt Stehhöhe. Zwei Handgriffe mehr, und die Rückbank entfaltet sich zum Bett. Mit bequemer Liegefläche. Klar, dass die VW-Campingbusse die Herzen im Sturm erobern. Damals wie heute. Wie zum Beweis surft die VW-Armada auf der Abfahrt über die zehn Kehren bis Heiligenblut auf einer Welle der Sympathie. Ein alter Bulli löst keinen Neid aus. Berührungsängste? Fehlanzeige. Anders als etwa bei einem alten Porsche, Mercedes oder gar Bugatti. Dabei ist er heute nicht viel weniger wert. Bestens erhaltene Exemplare werden schon mal für 70 000 Euro gehandelt.

Die Weiterfahrt nach Italien gerät sogar zum Triumphzug. Der Bulli erreicht die Menschen. Auch jene, die ihn in jungen Jahren nicht mehr im Straßenverkehr erlebt haben. Da kann es schon mal sein, dass Radfahrer für einen Moment das Treten vergessen und den Daumen in die Luft recken. Passanten rufen und winken, Autofahrer hupen munter. Und im Tunnel blendet plötzlich anerkennend ein Scheinwerfer auf. Aha, ein Motorradfahrer.

Wie alles begann

Der T3 ist die letzte Generation mit luftgekühltem Heckmotor. Karge Nachkriegszeit und Durst nach Freiheit und Unabhängigkeit - das war die Welt vor 60 Jahren. 1951 ordert der erste Kunde für seinen VW Bus T1 eine Wohneinrichtung, die herausnehmbare sogenannte Camping-Box von Westfalia. Sie besteht aus hinterer Sitzbank, Schrank, Sideboard und Spirituskocher. Die Ära der Campingbusse auf VW beginnt. 1957 nimmt Volkswagen den VW-Campingwagen, wie er inzwischen heißt, ins Modellprogramm auf. Der Ausbau kommt weiter von Westfalia. Zwei Jahre später feiert man das erste Jubiläum: 1000 Volkswagen Campingwagen. 1967 rollt der überarbeitete T2 auf den Markt. 1971 verlässt der 100 000. Campingbus das Band. In Europa heißen die Modelle Oslo, Helsinki, Berlin oder Offenbach. 1979 feiert die dritte Generation Premiere, die letzte mit luftgekühltem Heckmotor. Auf ihrer Basis bringt Volkswagen 1988 mit dem California ein Reisemobil unter dem eigenen Namen zu einem niedrigen Preis auf den Markt. 1990 die Revolution: VW baut beim T4 den Motor vorne unter einer kurzen Haube ein. Der Grundriss des California entspricht weiter dem des Berlin der siebziger Jahre. 2003 erfolgt der bislang letzte Modellwechsel zum T5. Im Jahr 2011 sollen vom California 6000 Exemplare verkauft werden - Rekord.

Ratgeber: Experten-Tipps

Autor

Foto

Jörn Ebberg

Datum

12. August 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z