Unterwegs mit... Michael Tregner 5 Bilder Zoom

Interview mit Michael Tregner: Mit Tempo und Umsicht

Der neue Knaus-Tabbert Technik-Chef und ehemalige Hymer-Geschäftsführer  Michael Tregner startet mit vielen innovativen Ideen in die neue Wohnmobil-Saison - das promobil-Interview.

Gekonnt zirkelt Michael Tregner den Teilintegrierten rückwärts in den Schuppen mit der Zapfsäule auf dem Werksgelände. Man merkt die ruhige Hand des leidenschaftlichen Autofahrers. Es ist nicht die erste Fahrt des neuen Knaus-Geschäftsführers mit einem Wohnmobil, aber die erste in einem Knaus.

„Wissen Sie, wann der gebaut wurde? Vor zwei Stunden. Das ist Auslieferungsqualität.“ Sagt’s und deutet auf Details des Jubiläumsmodells mit der Zungenbrecher-Bezeichnung „Knaus Celebration 50years“. Gewölbte Hängeschränke mit schimmernden Oberflächen und moderne Stoffe bilden das Bindeglied zwischen den Knaus-Reisemobilen von heute und denen von morgen.
Im Sommer wird die Phalanx der Knaus-Teilintegrierten neu antreten. Tregner deutet neue Formen an, Wechselspiele von konvexen und konkaven Möbeln. „Ehemalige Knaus-Kunden werden sich in den Neuen wiederfinden.“ Und: „Wir werden in naher Zukunft das gesamte Programm von Knaus neu aufstellen.“ Neue Integrierte werden nicht lange auf sich warten lassen. Die Überschrift für alles: „innovativ und zugleich sportiv, gepaart mit hoher Funktionalität“.

Es sprudelt aus Tregner heraus, in schneller, fast hastiger Sprache. Tempo gehört zu seinen Eigenschaften, Tempo verlangt er: „Ich bin bekannt dafür, sportliche Rahmenbedingungen zu setzen.“ Die sind nötig, Knaus hinkt wegen der Insolvenz in der Modellentwicklung hinterher. Rückenwind gibt Investor HTP, man hat eine Millionensumme für Neuentwicklungen genehmigt.

Zu den Investitionen gehört auch Tregner. Mit 45 Jahren für einen Geschäftsführer jung, trotzdem erfahren. Zum Tempomacher gehört die Karriere im Sauseschritt. Studium zum Wirtschaftsingenieur, schneller Aufstieg bei einem Mittelständler. Ein Hymer-Aufsichtsrat entdeckt ihn, 1995 startet Tregner als Assistent von Erwin Hymer in Bad Waldsee. Wechselt zu Dethleffs, rückt 2001 in die Geschäftsleitung auf. 2003 lotst ihn Erwin Hymer als Technik-Geschäftsführer zur Hausmarke. Vom beruflichen Ziehvater spricht Tregner fast ehrfurchtsvoll: „unbegrenztes Entwicklungs-Know-how, einmalige soziale Kompetenz, höchste Vorbildfunktion“.

2006 bricht eine harte Zeit an: Modellwechsel, neues Werk, Aufbau der Tochterfirma Capron, alles gleichzeitig. Der jungenhafte Tregner stößt an Grenzen, auch gesundheitlich. Zwei Jahre danach bricht die Wirtschaftskrise über Hymer herein. Vollbremsung, vor dem hoffnungsvollen Geschäftsführer sitzen plötzlich andere Vorstände. Im Sommer 2010 präsentiert Tregner die neue Hymer B-Klasse, doch es ist klar, dass er den Konzern als Letzter der ehemaligen Führungsriege verlässt. Der Smarte mit dem gegelten Haar und den Lachfalten steht vor einer Zäsur.


Knaus-Tabbert ist schnell an ihm dran. Am 1. Februar dieses Jahres startet er eine neue Karriere. Geschäftsführerkollege Giovanni Marcon ist begeistert: „Wir brauchten einen fähigen Techniker als Geschäftsführer, der Impulse gibt.“ Ein „absoluter Glücksfall“. Man duzt sich, tritt als neues Dreamteam erfrischend auf.
Tregner hat nach mehrmonatiger Auszeit Angriffslust. Ist zuständig für Produktion, Logistik, Entwicklung, Konstruktion und Einkauf, „wie immer“. Bringt Know-how mit, doch: „Knaus ist Knaus und soll Knaus bleiben, ich sehe nicht alles mit Hymer-Augen.“ Der Sunnyboy wirkt reifer. Es gibt noch Wunden, doch Tregner tritt nicht nach. Ihm ist wichtig: „Ich habe höchste Wertschätzung gegenüber Erwin Hymer und der Familie.“ Erfahrung macht Manager im Idealfall stark: „Ich möchte nie wieder einen Sozialplan aufstellen müssen.“

Deshalb sind neue Fahrzeuge für Knaus-Tabbert wichtig, „wir wollen an alte Erfolge anknüpfen“. Spontan vergleicht Tregner Knaus mit Audi, ohne das Preisniveau. Für Weinsberg fällt ihm Skoda ein. Und ein Spitzen-Wohnmobil Marke Tabbert? Tregner orakelt: „Man muss sich erst um das Fundament kümmern, um dann Türme zu bauen.“ Das Fundament heißt Knaus.
Der Geschäftsführer denkt über den Tag hinaus. Im Interieur verfolgt er neue Materialien wie bedampfte Tiefziehteile mit wohnlichen textilen Oberflächen. Dreidimensional geschäumte isolierte Materialien wie LFI (Low Fibre Injection) könnten gewichtiges GfK ablösen. In Sachen Hybrid ist er vorsichtiger als Knaus im Sommer, „das Gewicht kann kontraproduktiv sein“.
Es gibt viel zu tun: „Das Modelljahr 2012 fordert uns alles ab.“ Am Horizont sieht Tregner den Ducato-Modellwechsel in fünf, sechs Jahren, kalkuliert die Schritte – 2006 soll sich nicht wiederholen.

Von Vorteil für Wohnmobile von morgen sind Erfahrungen heute. Der „leidenschaftliche Camper“ ist zwei Mal im Jahr in Wohnmobil und Caravan unterwegs, „mit zwei Kindern, Hund und Ehefrau“ – er lacht über die spontane Reihenfolge. „Ich kenne die Fahrzeuge.“ Die Familie gibt Kraft. Der Hund ist ein Parson Russel, dessen wattig-weißes Aussehen nicht täuschen sollte. Wikipedia weiß: „Der Parson-Russel-Terrier gilt als intelligent, unerschrocken, freundlich und arbeitsfreudig.“ Gibts da Parallelen?

Dienstwagen ist ein Dreier-Coupé, dicke Auspuffrohre lassen auf ein feines Triebwerk schließen. Der BMW-Fan ist am Autosteuer so temperamentvoll wie am Lenkrad von Knaus-Tabbert. „Es gibt Leute, die nicht bei mir mitfahren.“ Für Knaus-Tabbert gilt dies nicht, der ehemalige Hymer-Mann verspürt keine Ressentiments.

Am Volant des teilintegrierten Jubiläums-Knaus agiert er vorausschauend und mit Umsicht. So, wie es auch die Marken von Knaus-Tabbert und die Mitarbeiter verlangen. Giovanni Marcon: „Wir brauchen Menschen, die eine Vision haben, die wissen, was sie vorhaben. Menschen mit mehr Können.“ Es könnte passen.

Mit Michael Tregner sprach promobil-Autor Randolf Unruh.

Autor

Foto

Beate Jeske

Datum

13. Mai 2011
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