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Interview mit der Reisemobil Union: Die neuen Ziele

Der Dachverband der Reisemobilfahrer hat sich neu aufgestellt. promobil fragte Verantwortliche der Reisemobil Union nach ihren Zielen. Im Interview: Wolfgang Baumeister und Wolfgang Ramsteck.

Herr Baumeister, Sie sind zum neuen Präsidenten der Reisemobil Union (RU) gewählt worden. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Reisemobilen?

Baumeister: Zusammen mit meiner Frau bin ich seit 1983 mit Reisemobilen unterwegs und habe seitdem elf Fahrzeuge besessen. Vorher haben wir im Ferienhaus Urlaub gemacht und damals immer wieder Menschen mit Reisemobilen beobachtet. Die hatten ganz offensichtlich gemeinsam Spaß, da wollten wir dabei sein. Mein erstes Reisemobil war ein Hymer-Alkoven auf Mitsubishi.

Nicht nur das Präsidium der RU wurde neu aufgestellt, in vielen wichtigen Funktionen sieht man jetzt neue Gesichter. Bedeutet das einen Neustart für die RU?

Baumeister: Wir sprechen lieber von einem neuen Denken in der Reisemobil Union. Wir sind dabei, eine neue Strategie aufzubauen und uns zu fragen, wohin wir wollen.
Ramsteck: Das soll nicht von oben herab entschieden werden. Wir wollen mit allen Mitgliedern diskutieren und dafür vor allem das Forum auf unserer Homepage nutzen.

Die RU ist vor 25 Jahren als Dachverband von Vereinen gegründet worden. Wie sieht die Mitgliederstruktur heute aus?

Ramsteck: Die Zahl der Vereine ist stark zurückgegangen. Eine wichtige Rolle nehmen die Fördermitglieder ein. Das sind fast alle Reisemobilhersteller und viele Zulieferer sowie Stellplatzbetreiber. Die größte Gruppe sind aber Einzelmitglieder. Wir wollen der Dachverband für alle Reisemobilfahrer sein. Jeder kann bei uns Mitglied werden.
Baumeister: Wir haben festgestellt, dass die Reisemobilfahrer zwischen Verein und RU trennen. Im Verein geht es um gesellige Aspekte, von der Reisemobil Union als Verband erwartet man politische Themen.

Warum sollte man als Reisemobilfahrer überhaupt der RU beitreten?

Ramsteck: Um uns stark zu machen für politische Diskussionen, die alle Reisemobilfahrer betreffen. Wir sind in der offiziellen Lobbyliste des Bundestags als Interessenvertretung unseres Hobbys benannt. Wenn entsprechende Themen anstehen, vertreten wir gegenüber der Politik die Anliegen unserer Mitglieder.

Welche politischen Ziele hat sich die RU gesetzt?

Baumeister: Ein wichtiger Punkt ist die Aufhebung des Lkw-Überholverbots für Reisemobile über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Das wäre durch eine entsprechende Entscheidung des Verkehrsministers schnell möglich. Unser Ziel ist außerdem die Anerkennung von Reisemobilen als eigene Fahrzeuggattung. Dabei ist zunächst der Begriff wichtig. Wir wenden uns – auch zum besseren Verständnis auf politischer Ebene, die unsere Fahrzeuge oftmals nicht richtig einordnen kann – gegen die Bezeichnung Wohnmobil, weil es nicht ums Wohnen, also um lange Aufenthalte, sondern ums Reisen mit kurzen Aufenthalten geht. Die Fahrzeuggattung Reisemobil sollte alle entsprechenden Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen umfassen. Wir treten außerdem dafür ein, dass dann für alle Reisemobile wie für Busse ein Tempolimit von 100 km/h gilt. Das ist angesichts der heutigen Verkehrsdichte schon relativ schnell. Ausgenommen davon sind nach unseren Vorstellungen lediglich Fahrzeuge ohne WC, also kompakte Campingbusse, die den Pkw gleichgestellt werden sollten.
Ramsteck: Wir wissen, dass bei der Forderung nach einem Tempolimit die Meinungen auseinander gehen, und befinden uns noch in Diskussionen mit der Basis. Es geht dabei letztlich um die Sicherheit. Durch Leichtbau sind einige Reisemobile instabiler geworden. Wenn die 3,5-Tonnen-Grenze jedoch aufgehoben wird und Reisemobile bis 7,5 Tonnen gleich behandelt werden, ist kein übertriebener Leichtbau mehr nötig. Über die Insassensicherheit und die Stabilität der Aufbauten wollen wir aber auch mit den Herstellern sprechen.

Wie stellen Sie sich eine Neuregelung des aktuellen Pkw-Führerscheins vor, der bis 3,5 Tonnen gilt?

Ramsteck: Wir wünschen uns, dass die aktuelle Regelung für Caravan-Gespanne auch für Reisemobile bis 7,5 Tonnen übernommen wird.

Gibt es weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Baumeister: Eine weitere Forderung der RU ist die freie Zufahrt zu Stellplätzen in Umweltzonen. Hier sprechen wir mit den betroffenen Städten und Gemeinden, um reisemobilfreundliche Regelungen für ältere Fahrzeuge zu erwirken. Grundsätzlich wollen wir jedoch eine generelle Befreiung aller Reisemobile von der Feinstaubplakettenpflicht erreichen. Einheitliche Regelungen sind außerdem auch für die Haupt­untersuchung nötig. Aufgrund der meist unterdurchschnittlichen Jahreslaufleistungen sollten alle Reisemobile, unabhängig von Alter und Größe, alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung müssen.

In den Gründerzeiten der RU war ein Ausbau der Infrastruktur für Reisemobile eines der Hauptziele. Gibt es heute genügend Stellplätze?

Baumeister: Es gibt inzwischen viele positive Beispiele, aber immer noch viele Lücken wie etwa in meiner Heimatstadt Essen. Wir wollen uns verstärkt an die Städte, aber auch an die regionalen Medien wenden, um die wirtschaftlichen Vorteile durch Stellplätze und die damit verbundene Kaufkraft von Reisemobilfahrern deutlich zu machen.

Welche Haltung hat die RU zur immer besseren Ausstattung von Stellplätzen?

Baumeister: Die Spanne bei den Komfortangeboten und ebenso bei den Erwartungen der Reisemobilfahrer ist sehr groß. Gut ausgestattete Plätze mit beispielsweise Duschangeboten sind zunehmend gefragt, aber auch einfachere und kostengünstigere Plätze haben nach wie vor ihren Zulauf. Eine Punkte- oder Sternevergabe lehnt die RU weiterhin ab.
Ramsteck: Wir wollen, dass der Stellplatz ein Stellplatz bleibt. Wir wissen aus einer Mitgliederumfrage, dass viele Reisemobil­fahrer für die Übernachtung auch in Zukunft nicht mehr Geld ausgeben wollen. Wer mehr Komfort will, ist daher auf einem Campingplatz besser aufgehoben.

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Autor

Foto

Frank Eppler

Datum

18. Oktober 2014
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