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Interview: Karl-Heinz Schuler 3 Bilder Zoom

Interview mit Carthago-Gründer Karl-Heinz Schuler: "Ich denke nicht ans Aufhören"

Im November 2013 feierte Karl-Heinz Schuler, der Unternehmensgründer von Carthago, seinen 60. Geburtstag. Mit promobil sprach er über 33 Jahre Carthago, Ehrgeiz, Erfindergeist und zukünftige Projekte.

Im Alter von 60 Jahren denken viele Menschen bereits an den Ruhestand. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Wohlbefinden vorausgesetzt, werde ich bei Carthago bis zum letzten Tag dabei sein. Ich möchte hier mitwirken, mitbestimmen und mich einbringen.

Was ist an Ihrer Arbeit heute anders als früher?

Ich habe heute mehr Zeit für kreative Tätigkeiten und kann neue Produkte mit einer gewissen Leichtigkeit planen. Ich habe Geschäftsführer, auf die ich mich verlassen kann und die bei Diskussionen gute Sparringspartner sind. Wichtig ist, dass das Unternehmen von mir ein Stück unabhängig ist. Trotzdem bin ich froh, wenn ich um Rat gefragt werde.

Carthago ist der größte Wohnmobilhersteller, der nicht zu einer Gruppe gehört. Muss man sich nicht beizeiten nach einem Partner umsehen?

Warum sollte man so etwas müssen? Carthago ist als Unternehmen stabil aufgestellt und hat eine Eigenkapitalquote von 54 Prozent.

Sie haben mit Malibu eine neue Günstigmarke ins Leben gerufen. Werden wir bald auch Malibu-Teilintegrierte und -Integrierte sehen?

Malibu muss nicht auf Kastenwagen begrenzt sein. In diesem Segment steckt aber noch viel Potenzial. Daher wird das Programm bald erweitert. Aufgebaute Reisemobile könnten zum Caravan-Salon 2014 kommen. Wir analysieren intensiv, was der Kunde will und was betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Vielleicht ist es besser, einen Carthago um 65.000 Euro Verkaufspreis zu bauen.

Wie dürfen wir uns einen günstigeren Malibu oder Carthago vorstellen?

Wir werden uns nicht ins Haifischbecken der verwechselbaren Reisemobile begeben. Egal unter welcher Marke – wir werden nie ganz einfache Fahrzeuge in Wohnwagenbauweise herstellen. Auch wenn ein Mobil 50.000 Euro kostet, braucht der Kunde gute Kaufgründe.

Carthago hat beim Design seinen Stil gefunden. Besteht nicht die Gefahr einer gewissen Wiederholung?

Warum sollten wir um jeden Preis das Design ändern, wenn sich der Kunde darin wiederfindet? Design muss kundengerecht sein. Letztendlich muss es aber auch mir gefallen.

Die Vielzahl ähnlicher Grundrisse macht die Auswahl für Käufer auch nicht einfach, oder?

Wir denken darüber nach, weniger gefragte Grundrisse aus dem Programm zu nehmen, um uns auf die Verfeinerung der beliebteren Modelle zu konzentrieren.

Carthago hat in der Vergangenheit immer wieder durch ungewöhnliche Ideen auf sich aufmerksam gemacht. Wie geht es weiter?

Echte Innovationen waren vor einigen Jahren noch leichter zu realisieren. Wir haben als erste auf die Rollergarage gesetzt. Wir haben den Auszug für den Flachbildschirm hinter dem Seitensitz, den Kaffeemaschinenauszug oder das quergestellte Queensbett erfunden. Heute findet man diese Ideen auch woanders. Von einem „holzfreien“ Aufbau sprechen auch andere Marken, die haben aber auf der Innenseite Sperrholz. Inzwischen schützen wir unsere Ideen besser durch Patentwissensmanagement. Inzwischen gibt es vor allem Evolutionen. Die gesamte Branche steht unter gewaltigem Innovationsdruck. Meine Aufgabe ist es vorauszudenken.

Wo sehen Sie die Carthago-Stärken?

Das sind die Carthago-Gene, die nicht verwässert werden dürfen: der Karosseriebau, die Qualität, das Design und die Finessen. Ein Carthago muss unverwechselbar sein. Beim ersten Blick in ein Fahrzeug müssen die Augen des Kunden leuchten.

Carthago baut überwiegend Integrierte. Brauchen Sie überhaupt einen Teilintegrierten im Programm?

Nur auf einem Pfeiler zu stehen war noch nie meine Sache. Was will der Kunde morgen? Wir verkaufen heute 70 Prozent Integrierte, aber wir wissen nicht, wie sich dieser Markt weiterentwickelt.

Lohnt sich der Bau weniger Liner pro Jahr?

Ein Liner gehört zur Marke Carthago. Auch als Technologieträger. Bei der Liner-Produktion geht es um Image, nicht um Betriebswirtschaft.

Wie denken Sie über ein neues Alkovenmodell?

Wenn ich wüsste, da ist Raum für eine Carthago-Interpretation eines Alkovens, die Stückzahlen verspricht, würde ich es machen. Ich bin nicht nur Tüftler und Ideenmensch, sondern auch ein Zahlenmensch.

Wie hat sich der Verkauf des C-Tourer entwickelt?

Als Integrierter hat der C-Tourer die Erwartungen erfüllt. Der Markt der Teilintegrierten ist preissensitiver. Sicher hätten wir gern mehr teilintegrierte C-Tourer verkauft, aber ab und an muss man seine Ziele und Vorstellungen korrigieren.

Es besteht der Eindruck, dass die Preise bei Carthago zuletzt spürbar gestiegen sind. Woran liegt es?

Die Preiserhöhungen betrugen zuletzt nicht mehr als zwei Prozent. Teurer wurden die Fahrzeuge beispielsweise dadurch, dass ESP und Beifahrer-Airbag nun serienmäßig sind. Zum Teil ist der Wettbewerb aber preisgünstiger geworden.

Woran liegt es, dass unsere Leser häufiger als früher von Qualitätsproblemen mit ihrem Carthago berichten?

Heute sind viel mehr Carthago-Reisemobile auf den Straßen unterwegs als früher. Außerdem stellen wir das Thema Qualität in den Vordergrund. Unsere Kunden haben daher höhere Erwartungen als bei anderen Herstellern. Wir haben generell den Anspruch, jeden Kunden zufriedenzustellen.

Müssten nicht manche Neuentwicklungen vor der Serienproduktion ausgiebiger getestet werden?

Wir leben von Innovationen, die immer kurzfristiger in die Produktion kommen. Andererseits müssen wir aufpassen, dass zu viele Neuerungen nicht zu viel Unruhe in die Fertigung bringen. So kurze Produktionszyklen sind für die Ausgereiftheit eines Reisemobils schon ein Risiko.

Carthago baut derzeit 2500 Wohnmobile pro Jahr. Wie geht es weiter?

Der Markt entwickelt sich derzeit nicht so, dass man weiterhin ein großes Wachstum erwarten kann. Mit der Premiummarke Carthago sind wir an einem gewissen Limit angekommen.Wir haben unseren Zenit erreicht. Es gibt aber überhaupt keinen Druck von außen, die Stückzahlen zu steigern. Wir wollen die Innovativsten sein. Und am Ende muss es Spaß machen.

Was hätten Sie rückblickend anders gemacht in über 33 Jahren Carthago?

Im Großen und Ganzen passt schon alles. Aber vielleicht hätte ich bei manchen weniger angenehmen Entscheidungen noch viel früher auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Die Erfolgsgeschichte von Carthago

Von der kleinen Werkstatt für Möbelsätze hat sich Carthago in 34 Jahren zum großen Hersteller mit 900 Mitarbeitern entwickelt, die sich gleichmäßig auf die Standorte in Odranci (Slowenien) und Aulendorf verteilen. Der Einstieg in den Reisemobilbau 1979 ist eine unternehmerische Entscheidung. Schuler, im Gegensatz zu heute noch kein leidenschaftlicher Reisemobilist, sieht einige VW-Campingbusse. „Das kann ich besser”, sagt sich der Tüftler. Als seine Malibu preislich nicht mehr mit dem günstigen Platzhirsch VW California konkurrieren können, beginnt Schuler mit aufgebauten Reisemobilen. Eine weitere wegweisende Entscheidung trifft Schuler 2008 mit der Eröffnung des Werks in Slowenien, um dort eine ganz neue Reisemobilgeneration, den Chic C-Line, zu produzieren. Fünf Jahre später investiert er 25 Millionen Euro in ein völlig neues Werk, das im Sommer 2013 eröffnet wird: Carthago-City.

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Autor

Foto

Frank Eppler

Datum

29. Januar 2014
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