Interview, Josef Spichtig/Hermann Pfaff 3 Bilder Zoom

Interview : Hymer Vorstand Josef Spichtig

Wie geht es weiter? Die Hymer Vorstände Josef Spichtig und Hermann Pfaff zur Zukunft des Hymer-Konzerns.

Herr Dr. Spichtig, Sie haben den Vorsitz des Vorstands der Hymer AG übernommen. Was wird sich ändern?

Spichtig: Wir haben eine Vorwärtsstrategie für die gesamte Gruppe mit einer genaueren Positionierung der einzelnen Marken. Quasi ein Wechsel der Gesamtstrategie im Hymer-Konzern. Der Markt hat sich geändert, daher können wir nicht einfach so agieren wie früher. Für die Umsetzung benötigen wir viel Fingerspitzengefühl. Es hat sich gezeigt, dass man Verständnis braucht für die gewachsenen Strukturen des Unternehmens.


Wie wird sich die Führungsspitze aufstellen?

Spichtig: Mein Wechsel vom Aufsichtsrat in den Vorstand ist durch gesetzliche Vorgaben zeitlich limitiert. Es wird in Zukunft einen Gesamtvorstand für die Hymer AG und eine Geschäftsführung für die Marke Hymer geben, analog etwa zur Marke Bürstner.

Pfaff: Um die Marke Hymer zu stärken, ist eine Trennung von Vorstand und Geschäftsführung erforderlich. Wir brauchen klare Strukturen.


Wann werden die Änderungen sichtbar werden?

Spichtig: Wir müssen zunächst die Profile der Marken schärfen. Da sind wir dran. Im dritten Quartal dieses Jahres werden wir erste Ergebnisse sehen und mit geschärften Marken Marktanteile erobern. Die neuen Führungsstrukturen werden bis Ende des Jahres stehen. Sie geben uns die Möglichkeit, in Zukunft wieder zu wachsen. Wir haben sehr gute Mitarbeiter. Diese wollen wir mitnehmen auf unserem Weg. Dieser Prozess dauert nach meiner Erfahrung einige Zeit. In den Jahren 2012/2013 werden die Erfolge sichtbar werden. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht Verbesserungen bei Service und Lieferbereitschaft sofort umsetzen werden.


Wie wirkt sich die Neuausrichtung auf die Standorte der Hymer AG aus?

Spichtig: Ich bekenne mich zu jedem Standort. Wir wollen keine Werke schließen, sondern brauchen zusätzliche Produktionskapazität. Wo wir aber welches Fahrzeug produzieren, da ist für mich kein Herzblut mit dabei.


Welchen Einfluss hat der geplante Neubau Ihres Wettbewerbers Carthago in unmittelbarer Nachbarschaft?

Spichtig: Wir bewegen uns bei einem Marktanteil von rund 25 Prozent. Deshalb fokussieren wir uns nicht auf den nächsten Nachbarn, sondern auf die übrigen 75 Prozent.


Wie begegnen Sie dem Risiko einer erneuten Überproduktion bei Hymer?

Pfaff: Wir haben nicht nur die eigenen Bestände, sondern auch die Bestände im Handel im Griff. Durch ein System über Fahrzeugbriefabrufe haben wir eine genaue Kontrolle.

Spichtig: Aus der Krise haben wir unsere Lehren gezogen. Das betrifft nicht nur die Schärfung der Marken, sondern auch die Produktion. Wir brauchen eine flexible Fertigung und wollen mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern mehr Fahrzeuge produzieren.


Wie wird sich das Modellangebot der Marke Hymer weiterentwickeln?

Pfaff: Kernkompetenz von Hymer sind integrierte Modelle. Wir wollen hier die gesamte Bandbreite abdecken und werden unser Produktportfolio ausbauen.


Benötigt die Marke Hymer wirklich ein umfassendes Reisemobilangebot vom Kastenwagen bis zum Liner?

Spichtig: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht als Vollsortimenter in die Komplexitätsfalle geraten. Wenn wir eine Marke neu positionieren, muss man sich auch das Produktportfolio genau ansehen.


Pfaff: Den Liner wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Wie wird künftig die Zusammenarbeit der einzelnen Marken innerhalb der Hymer AG aussehen?

Spichtig: Wenn man beispielsweise neue Marktsegmente erschließen will, können wir das nur zusammen machen. Als Mitglied einer Familie kommt man weiter, als wenn man es als Einzelkämpfer versucht.

Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den in der CMC zusammengefassten Marken Dethleffs, LMC und TEC aus dem Privatbesitz der Familie Hymer?

Spichtig: Man kennt sich gegenseitig sehr gut. Wir werden die Zusammenarbeit mit der CMC dort vertiefen, wo für beide ein Vorteil entsteht, zum Beispiel beim Einkauf.

Welche Rolle spielt die Familie Hymer in Zukunft im Unternehmen?

Spichtig: Die Familie Hymer zieht sich nicht zurück, im Gegenteil. Sie will sich auch langfristig in diesem Geschäft finanziell engagieren. Das Herz der Familie schlägt für die Hymer-Gruppe. Ich habe großen Respekt vor dem Werk Erwin Hymers. Seine stets zukunftsgerichtete Denkweise werden wir weiterführen.

Passen familiäre Tradition und eine börsennotierte Aktiengesellschaft zusammen?

Spichtig: Die Frage, ob es für die Hymer AG Sinn macht, an der Börse zu sein, ist offen. Von meiner Seite ist die Frage aber nicht von Relevanz.

Welche beruflichen Erfahrungen haben Sie mit Freizeitfahrzeugen?

Spichtig: Ich habe einen technischen Background und bringe Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen mit. Bei Leica habe ich gelernt, wie stark eine Marke sein kann. Eine Delle bedeutet keine ernsthafte Beschädigung. Bei den Freizeitfahrzeugen bin ich ein Neuling, aber ich habe dadurch den Vorteil, vieles mit anderen Augen zu sehen.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Reisemobilen gemacht?

Spichtig: Vor einigen Jahren war ich in Australien mit einem gemieteten Reisemobil unterwegs. Ich habe mich schon erkundigt, welches Hymer-Modell für eine Tour zusammen mit meinen Enkeln in Frage kommt. Als Schweizer besitze ich einen Führerschein, der nur bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gilt. Aber ich bin fest entschlossen, auch einen Führerschein für schwerere Fahrzeuge zu machen.

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Autor

Foto

Frank Eppler

Datum

5. August 2011
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