Interview: Josef Spichtig, Hermann Pfaff 4 Bilder Zoom

Hymer-Vorstände im Interview: Josef Spichtig, Hermann Pfaff

Bilanz nach einem Jahr gemeinsam im -Hymer-Vorstand: promobil sprach mit Josef Spichtig und Hermann Pfaff.

? Vor einem Jahr haben Sie, Herr Dr. Spichtig, den Vorstandsvorsitz der Hymer AG übernommen. Nun kehren Sie in den Aufsichtsrat zurück. Auch Herr Pfaff wird den Vorstand verlassen. Welche Schwerpunkte haben Sie im Vorstand gesetzt?

Spichtig: Wir haben eine Strategie über einen Zeithorizont von zehn Jahren formuliert und festgeschrieben und ein gutes Dutzend Umsetzungsprojekte definiert. Dazu gehören eine Verbesserung der Qualität und des Preis-Leistungsverhältnisses, die Eroberung und Ausbau von Marktanteilen sowie eine bessere Nutzung der Absatzpotenziale im Ausland. Die Führungsmannschaft ist neu aufgestellt. Sie kommt von außen und bringt neues Blut ins Unternehmen. Außerdem ist es uns gelungen, eine Refinanzierung des Konzerns zu guten Konditionen sicherzustellen.

? Welche Auswirkungen hat die neue Konzernstrategie auf Marken und Modelle?

Spichtig: Die Positionierung der Marken ist nun klarer. Im Top-Segment haben wir Niesmann + Bischoff, in der Premiumklasse Hymer und Laika, in der Mitte Bürstner und im Einsteigersegment Carado.

? Was bedeutet das für die Produktpalette der einzelnen Marken in der Gruppe?

Spichtig: Das Modellangebot hängt von der Positionierung der Marke ab. Eine Überlappung der Produkte wird es immer geben. Es hat aber keinen Sinn, dass eine in der Mittelklasse aufgestellte Marke vom kleinen Einsteigermodell bis zum teuren Liner alles anbietet. Eine Straffung bei einzelnen Marken ist durchaus vorstellbar.

? Wird die Hymer-Gruppe in Zukunft auch neue Marktsegmente besetzen?

Spichtig: Bei Niesmann + Bischoff brauchen wir im obersten Segment wieder eine zusätzliche Baureihe. Es ist aber noch nicht festgelegt, welchen Namen diese Baureihe trägt.

? Wäre ein Wachstum auch durch den Zukauf anderer Hersteller denkbar?

Spichtig: Wir denken im Augenblick nicht an Zukäufe. Wir haben genügend Kapazitäten und genügend Potenzial, die Produkte zu verbessern und Marktanteile zu gewinnen.

? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Marken der CMC-Gruppe (Dethleffs, LMC, TEC)? Werden Hymer AG und CMC eine Einheit?

Spichtig: Beide Firmen gehören mehrheitlich der Familie Hymer. Es gibt dort, wo es möglich war, bereits eine Zusammenarbeit. Alles Weitere ist aber Sache der Familie. Da ist noch nichts entschieden.

? Wird es alle aktuellen Marken der Hymer-Gruppe auch in Zukunft geben?

Spichtig: Wir unterscheiden Marken, juristische Einheiten und Standorte. Wir brauchen auch in Zukunft alle Standorte und Mitarbeiter. Schwerpunktmäßig sollen alle Marken erhalten bleiben. Für die Exportmärkte brauchen wir starke Einsteigermarken.

? Wie wird denn die Zusammenarbeit der einzelnen Marken im Hymer-Konzern konkret aussehen?

Spichtig: Bisher hat jeder Standort seine Produkte selbstständig entwickelt. Für die Zukunft denken wir an einen Produktionsverbund, der jedoch noch in der Diskussion ist. Aus der Automobilindustrie kennen wie die Plattformidee, die auch bei uns Einzug halten wird. Es wird deshalb Gemeinsamkeiten bei der Entwicklung geben. Wir denken an Kompetenzcenter an den unterschiedlichen Standorten, zum Beispiel in Bad Waldsee für Aufbautechnik und Materialien. Es ist aber noch nichts entschieden.

? Könnte in Zukunft ein Laika aus dem Bürstner-Werk kommen oder ein Bürstner aus dem Münsterland?

Spichtig: Ich würde das nicht prinzipiell ausschließen. Auch Bürstner und Dethleffs könnten sich Plattformen teilen. Marketing, Entwicklung und Design werden immer am ursprünglichen Standort der Marke bleiben, nicht unbedingt die Produktion.

? Wer entscheidet innerhalb der Gruppe über die Zusammenarbeit von Marken?

Spichtig: So etwas kann man nicht befehlen, da müssen wir alle mitnehmen. Letztlich entscheidet es der Markt. Eine einzelne Marke hat nicht die nötige Kraft für Innovationen. Nur im Verbund mit der Gruppe können wir Marktanteile zurückholen. Der Wettbewerb hat an Intensität wesentlich zugenommen. Wir gehen davon aus, dass es zu einer Konzentration von Anbietern kommt. Es gibt für uns noch viele Synergien, die gehoben werden können. Da ist noch gewaltig Musik drin.
Pfaff: Wir sind in der ersten Umsetzungsphase. Es gibt teilweise schon länger eine gute Zusammenarbeit der einzelnen Marken. So produziert Hymer beispielsweise die Kastenwagen für Laika.

? Was sind aus Ihrer Sicht die grundlegenden Ziele der künftigen Entwicklung von Freizeitfahrzeugen?

Spichtig: Ein zentraler Punkt ist es, die Qualität der Modelle verbessern, unter anderem durch eine Rationalisierung des Produktionsprozesses. Der Preisdruck ist gegeben, deshalb muss das Preis-Leistungs-Verhältnis besser werden. Bezüglich der Innovation bin ich überzeugt, dass hier große Schritte anstehen.

? Werden die Reisemobile von den Marken der Hymer-Gruppe in Zukunft billiger?

Spichtig: Nein, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis wird besser, weil unter anderem die Qualität besser wird.

? In welchen Bereichen dürfen Reisemobilkäufer weitere Verbesserungen erwarten?

Spichtig: Bisher ging die Reisemobilentwicklung immer in kleinen Schritten voran. Innovationen sind nötig bei der Aufbautechnik, bei der Energieversorgung und bei der Abbildung der Lebensstile. Die Ansprüche von 35-Jährigen werden bislang gar nicht berücksichtigt. Das Reisemobil für die Familie mit Kleinkind ist noch nicht auf dem Markt. Ich stelle mir auch die Frage: Wo ist die Online-Kommunikation im Reisemobil von heute?
Pfaff: Wir müssen unsere Kultur ändern und nicht immer nur an die nächste Saison denken. Was jährlich als Innovation verkauft wird, ist doch oft nur ein neuer Polsterstoff. Der Jahresrhythmus ist für uns Schnee von gestern.

? Haben Sie dabei auch neue Zielgruppen im Blick?

Spichtig: Viele Hersteller konzentrieren sich auf die Käuferschaft 55 plus. Wir überlegen uns, wie wir auch die 35- bis 55-Jährigen vom Urlaub in Reisemobil und Caravan überzeugen können. Dieses Segment haben wir zu wenig im Fokus gehabt. Wir müssen Angebote machen, die es auch einer jungen Familie erlauben, ohne große Umstände ein verlängertes Wochenende im Reisemobil oder Caravan zu verbringen.

? Was muss über neue Produkte hinaus geschehen?

Spichtig: Bei der Markenpositionierung, dem Vertriebsnetz und den Serviceaktivitäten müssen wir besser werden. Für den Kunden muss sichtbar sein, wofür die Marke steht. Wenn es um den Service geht, müssen wir auch als Hersteller unsere Hausaufgaben machen, etwa bei der Ersatzteilversorgung. Mit unserem großen Händlernetz und den Servicemöglichkeiten haben wir einen Wettbewerbsvorteil.

? Was erwarten Sie vom Freizeitfahrzeughandel?

Spichtig: Wir wollen, dass die Fahrzeuge ganzjährig angemessen präsentiert werden können. Ein Luxusmobil kauft man nicht auf dem Hinterhof. Das Erscheinungsbild des Betriebs muss der Marke entsprechen, und das wollen wir gemeinsam mit unseren Händlern umsetzen.

? Freizeitfahrzeuge von Hymer werden neuerdings als Wertanlagen beworben. Ist das eine neue Ausrichtung in der Kundenkommunikation?

Spichtig: Es wird nie unser Schwerpunkt sein, ein Reisemobil oder einen Caravan als Alternative zu Goldbarren zu sehen. Freizeitfahrzeuge sind eine Lebensform und eine Eventform.

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Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

25. April 2012
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