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Interview Giovanni Marcon, Michael Tregner: Markenvielfalt fördert Fantasien

Die Knaus-Tabbert-Gruppe ist wieder auf Wachstumskurs. Wie geht die Reise weiter? promobil sprach darüber mit den beiden gleichberechtigten Geschäftsführern Giovanni Marcon und Michael Tregner.

In den vergangenen Jahren haben Sie die Marken der Knaus-Tabbert-Gruppe neu ausgerichtet. Mit Erfolg?

Marcon: Wir haben ein ganzes Feuerwerk abgebrannt und können nicht erwarten, dass alle Produkte auch sofort funktionieren. Wo wir Optimierungsbedarf erkennen, werden wir gezielt nachlegen.

Tregner: Ideen gibt es genug, es geht jetzt aber erst darum, die Fundamente richtig zu legen. Erst dann können wir Säulen darauf bauen.

Wie schlägt sich die Marke Weinsberg nach dem Neustart im Sommer 2010?

Marcon: Bei Weinsberg hatten wir hohe Erwartungen, und sie wurden erfüllt. Die Neuausrichtung greift schneller als bei Wilk. Ein günstiger Preis ist leicht kommunizierbar.

Tregner: Weinsberg hat eine bewegte Historie. Jetzt ist die Marke so positioniert, dass sie die Chance hat, Volumen zu gewinnen. Es reicht aber nicht, nur geringe Herstellungskosten zu haben. Wir müssen auch in Anmutung und Funktionalität vorne liegen. Da schläft der Wettbewerb nicht.

Besteht nicht in Zukunft die Gefahr, dass die wieder erstarkte Marke Weinsberg die Mittelklassemodelle von Knaus kannibalisiert?

Marcon: Zwischen Knaus und Weinsberg gibt es keinerlei Überschneidungen, sondern einen Übergang.

Tregner: Bei Weinsberg gibt es zum Beispiel nur eine begrenzte Anzahl von Sonderausstattungen. Mit Knaus bieten wir dem Weinsberg-Kunden eine Aufstiegsmöglichkeit. Knaus ist außerdem designorientierter.

Andere große Hersteller verzichten auf das Angebot von Alkovenmobilen. Wie steht Knaus zu dieser Bauform?

Marcon: Solange es eine Nachfrage gibt, werden wir Alkoven bauen. Knaus hat in diesem Segment viele Alleinstellungsmerkmale und einen guten Namen. Mit dem neuen Sky Traveller haben wir jetzt auch den schönsten Alkoven gebaut.

Die größte Grundrissauswahl bietet Knaus zurzeit jedoch bei den Campingbussen. Woran liegt das?

Marcon: Mit zwei bis drei Grundrissen erfüllen wir 80 Prozent der Kundenwünsche. Der Erfolgsfaktor von Knaus ist es darüber hinaus, mit einer großen Vielfalt auch die übrigen 20 Prozent abzudecken. Diese Vielfalt lässt sich bei Kastenwagen leichter darstellen als bei anderen Modellen.

Seit Sommer 2011 gehört die Campingbusmarke Bavaria Camp zur Knaus-Tabbert-Gruppe. Was bedeutet das in Zukunft für die Produktionsstandorte von Kastenwagen?

Tregner: Obermeitingen, wo Bavaria Camp gebaut wird, ist ein Premium-Produktionsstandort. Die Kultur ist dort eine andere. Hier wird mit viel Aufwand an Details gearbeitet. Es ist nicht auszuschließen, dass dort einmal ein Knaus-Kastenwagen gebaut wird. Es werden aber sicher keine Bavaria Camp-Produkte im Knaus-Kastenwagenwerk in Ungarn gebaut.

Ist das Reisemobilprogramm bei Weinsberg und Knaus nach den jüngsten Neuzugängen komplett?

Marcon: Mit Weinsberg und Knaus decken wir eine große Bandbreite bei den Teilintegrierten ab. Ein Teilintegrierter im Luxusbereich ist nicht nötig. Bei den Integrierten gibt es keinen echten Einstiegsbereich, deshalb wird es keinen Integrierten von Weinsberg geben. Eine Ausweitung der Knaus-Integrierten nach oben ist aber vorstellbar.

Welche Bedeutung haben Sondermodelle für Knaus?

Tregner: Wir haben die Sondermodelle nicht erfunden. Es ist aber ein gelebtes Instrumentarium, das man auch aus der Automobilbranche kennt. Im Fall des Van TI handelt es sich um ein probates Marketingmittel für das letzte Drittel des Lebenszyklus. Der Erfolg unserer Celebration-Modelle im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass wir damit richtig liegen.

Welche Rolle spielen Tests bei der Neuentwicklung?

Tregner: Wenn in Tests Mängel festgestellt werden, dann sehen wir uns das sehr genau an. Als wir den neuen Sky i entwickelt haben, bekamen die Konstrukteure den großen Integriertenvergleich von promobil unters Kopfkissen gelegt.

Wie passen die neu hinzu gekommenen Marken Bavaria Camp und Morelo in die Knaus-Tabbert-Gruppe?

Marcon: Unser Ziel ist es, dem Kunden ein möglichst breites Spektrum zu bieten. Mit Bavaria Camp und Morelo ist das Angebot komplettiert.

Wo sehen Sie jetzt noch Lücken im Modellangebot?

Marcon: Zwischen einem Knaus-Integrierten für 85.000 Euro und einem Morelo ab 150.000 Euro ist noch Luft. Wir wollen diesen Raum füllen. Dabei bringen wir die Erfahrungen von Knaus-Tabbert und Morelo zusammen. Für einen solchen Integrierten könnte man bei Morelo ebenso die nötigen Kapazitäten schaffen wie bei Knaus.

Wäre das Ergebnis dann ein Tabbert Liner, den Sie bereits in einem früheren Interview angedeutet haben?

Marcon: Wir haben das große Glück, viele Marken in der Gruppe zu haben. Man muss jedoch erst das Produkt definieren, dann kann man über die Marke sprechen. Ich bleibe dabei: Unsere Markenvielfalt lässt viele Fantasien zu. Wer hätte vor einiger Zeit gedacht, dass Weinsberg eine Caravan-Marke sein könnte.

Wie hoch ist die Beteiligung des Knaus-Tabbert-Investors HTP an Morelo?

Tregner: Eine Beteiligung definiert sich über viele Felder. Die Höhe ist in der Praxis unbedeutend. Wir bauen die Marken so zusammen, dass sie über viele Felder hinweg eine hohe Schlagkraft haben.

Plant die Knaus-Tabbert-Gruppe, noch weitere Marken zu übernehmen?

Marcon: Wir haben die Augen immer offen. HTP ist dabei ein leistungsstarker Partner. Wir sind aber derzeit nicht auf der Suche. Wir verfolgen unsere Strategien.

Tregner: Es geht um organisches Wachsen durch intelligente Modellpolitik.

Wäre es möglich, dass sich der Investor HTP nach der erfolgreichen Neuausrichtung der Knaus-Tabbert-Gruppe wieder zurückzieht?

Marcon: Grundsätzlich hat ein Investor in seiner DNA nicht nur das Kaufen, sondern auch das Verkaufen. Unser Investor ist da anders. Das Engagement war von vorneherein langfristig angelegt. HTP hat außerdem eine hohe Affinität zur Branche. Wir sind erfolgreich, aber unser Investor hat noch einige Erwartungen.

Bei HTP sprach man nach der Knaus-Tabbert-Übernahme von einer europäischen Marktführerschaft. Bleibt das ein Ziel?

Marcon: Beim Wohnwagen sind wir die Nummer zwei in Deutschland und Europa. Das Gleiche gilt für den Markt der Kastenwagen. Bei den Reisemobilen gab es nicht die Möglichkeit, an Erfolge aus der Vergangenheit anzuknüpfen. Wir sind jedoch in der Lage, in allen Bereichen vorne mitzuspielen. Das hat schon etwas von Marktführerschaft.

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Datum

7. März 2012
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