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Interview: Francois Feuillet : Märkte und Modelle

Zur französischen Trigano-Gruppe gehören elf europäische Reisemobilmarken, darunter Eura Mobil. promobil fragte Trigano-Chef François Feuillet nach den Zukunftsaussichten für Märkte und Modelle.

Wie schätzen Sie den Reisemobilmarkt in den kommenden Jahren ein?

Feuillet: Einige grundsätzliche Faktoren haben äußerst positive Auswirkungen auf den europäischen Reisemobilmarkt: der Wunsch nach Freiheit, Umweltverbundenheit und Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt die wachsende Zahl älterer Menschen. Das ist ein enormes Potenzial. Es gibt aber auch negative Faktoren: wirtschaftliche Verunsicherung, geringe Innovation, die kaum Anlass zum Neukauf gibt, und zu wenig Stellplätze in einigen Ländern.

Was lässt sich Ihrer Meinung nach dagegen tun?

Feuillet: Die Hersteller müssen die Preise im Blick behalten. Die Serienausstattung ist immer umfangreicher geworden und macht Reisemobile teuer. Ich bin mir außerdem nicht sicher, ob die Hersteller wirklich innovativ sind. Wir müssen mit unseren Produkten noch stärker versuchen, dem Kunden zu gefallen. In der Trigano-Gruppe können Sie aktuell Innovationen sehen, wie die aufklappbare Seitenwand bei Challenger und Chausson. Außerdem müssen wir alles dafür tun, dass Städte und Gemeinden reisemobilfreundlich werden. Der französische Herstellerverband setzt dafür ein Viertel seiner Arbeitskraft ein. Gute Stellplätze sind der Hauptfaktor für die Entwicklung des Reisemobilmarkts.

Wie sind die Aussichten für die Trigano-Gruppe?

Feuillet: Trigano hat keine Bankschulden. Wir haben unsere Fixkosten in der Krise drastisch gesenkt und können auch kleinere Stückzahlen rentabel produzieren. Wenn es der Markt verlangt, stehen uns jedoch große Produktionskapazitäten zur Verfügung.

Die jüngste Branchenkrise wurde nicht zuletzt durch eine Überproduktion von Reisemobilen ausgelöst. Besteht dieses Risiko auch in Zukunft?

Feuillet: Es gibt bereits eine Überproduktion. Die Situation erinnert mich an die Schlüsselszene im James-Dean-Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Alle fahren mit Vollgas auf die Klippe zu und versuchen ein bisschen später zu bremsen als der andere.

Was macht die Trigano-Gruppe anders als andere?

Feuillet: Wir bleiben bei unserer Politik: Wir setzen auf starke und unabhängige Händler und treten nicht zu ihnen in Wettbewerb. Auch in der Krise habe ich keinen insolventen Handelsbetrieb gekauft. Der Händler soll zufrieden sein. Er verkauft die Reisemobile, nicht die Trigano-Gruppe. Wir bauen, was der Handel verlangt. Das gilt verstärkt auch für das Zubehör. Wir wollen unser Zubehörangebot europaweit ausbauen.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Größe der Trigano-Gruppe?

Feuillet: Wir erzeugen Synergien durch eine Plattformstrategie. Als Gruppe haben wir beispielsweise die Möglichkeit, Kastenwagen für mehrere Marken an einem Ort auszubauen. Wir wollen außerdem die Produktion einzelner Komponenten selbst in die Hand nehmen. Wenn alle Hersteller die gleichen Teile einkaufen, gibt es keine Unterscheidung mehr. Schon heute fertigen wir von GfK-Teilen bis zur Matratze viele Teile selber und wollen in Zukunft immer mehr Komponenten selber herstellen.

Werden sich die Produkte der Trigano-Marken dadurch ähnlicher?

Feuillet: Jede Marke hat ihre Ziele und ihre Stärken. Einige konzentrieren sich auf ihren Heimatmarkt, manche sind europaweit aufgestellt. Die Trigano-Gruppe ist europäisch, aber das Management der Marken ist jeweils national. Ein Reisemobil ist viel eher ein Haus als ein Auto. Deutsche wollen eben ein anderes Bett als Franzosen.

Für den Käufer ist es oft schwer verständlich, dass Trigano-Marken wie Chausson und Challenger praktisch identische Reisemobile anbieten. Soll das so bleiben?

Feuillet: In den großen europäischen Märkten sind Chausson und Challenger sowie Ci und Roller Team parallel vertreten, um den Vertrieb zu optimieren. Eine stärkere Differenzierung ist aber denkbar. Allerdings muss die Plattform auch in Zukunft zu 80 Prozent identisch sein.

Eine andere Gruppe will sich gerade von der Börse zurückziehen. Bleibt Trigano eine Aktiengesellschaft?

Feuillet: Der Verbleib an der Börse bringt für Trigano keine Vorteile, aber auch keine Nachteile mit sich. 53 Prozent der Aktien befinden sich in meinem Besitz. Ich kann deshalb schnelle Entscheidungen treffen. Aktionäre verfolgen eine Politik für Aktionäre. Als Familienunternehmen denken wir bei Trigano dagegen langfristig. Als wir mit der Marke Eura Mobil Geld verloren haben, spielte das keine Rolle. Jetzt steht Eura Mobil sehr gut da.

Zur Person

Nach dem Studium des Managements und einer Industriekarriere tritt François Feuillet 1981 in die Geschäftsleitung von Trigano ein. Unter seiner Führung entstehen 1984 die ersten Reisemobile. 1990 wird Feuillet Mehrheitsaktionär der Gruppe. Trigano kauft Reisemobilhersteller in Italien (Ci, Arca), England (Auto Trail), Spanien (Benimar) und Deutschland (Eura Mobil, Karmann). Im Aufsichtsrat der Trigano-Aktiengesellschaft sitzen neben François Feuillet auch seine Frau Marie-Hélène und seine Tochter Alice. Nebenbei betätigt sich der 63-Jährige als Winzer. Kenner schätzen die Erzeugnisse seines Weinguts in Burgund. Rund 50 000 Flaschen werden dort pro Jahr abgefüllt.

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30. September 2011
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