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Interview mit Ford: "Deutlich wachsen mit der neuen Transit-Familie"

Bernhard Schmitz, Leiter Nutzfahrzeuge, Sven Ludwig, Nutzfahrzeug Marketing-Leiter, und Aufbauspezialist Torsten Wagner im Interview über die Pläne mit der Transit-Familie.

Was war der Grund, dass Ford nach vielen Jahren Einheits-Transit nun auf zwei Varianten setzt?

Schmitz: Aktuell hat die Transit-Familie mit Connect und Courier sogar vier Mitglieder. Bei den größeren Modellen war die Komplexität der Varianten früher fast zu groß. Jetzt deckt der Transit Custom die Ein-Tonnen-Klasse ab, und wir können damit Kunden viel stärker als früher über das dynamische Design und die tollen Fahreigenschaften ansprechen. Das spielt in diesem Segment eine größere Rolle als bei einem reinen Nutzfahrzeug, weil viele Menschen diese Autos kaufen und auch selbst fahren. Beim großen Transit, also in der Klasse von zwei und mehr Tonnen Nutzlast, haben wir die Möglichkeit verschiedener Antriebsarten belassen, weil dies ein klarer Wettbewerbsvorteil ist, aber natürlich braucht man hier ein anderes Fahrwerk für höhere Gesamtgewichte und mehr Ladevolumen.

Ludwig: Die Ausweitung der Palette ermöglicht uns insgesamt Wachstum. Übrigens spielt in der leichteren Klasse auch die Sicherheit eine größere Rolle, und da haben wir stärker gepunktet als andere. Der Custom ist das erste Fahrzeug seiner Klasse, das fünf Sterne beim NCAP-Crashtest erreicht hat, sowohl als Transit als auch als Tourneo.

Wie erfolgreich ist diese Strategie? Wie haben sich die Marktanteile entwickelt?

Schmitz: Wir sind in Europa an Position fünf bis sechs gestartet. Wir wollen in Europa die Nr. eins werden, und im ersten Quartal 2015 haben wir das auch schon realisieren können.

Von welchem Segment sprechen Sie?

Schmitz: Ich spreche vom gesamten Nutzfahrzeugangebot von Ford. Damit haben wir jetzt als starker Dritter in Deutschland einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. Vor einigen Jahren standen wir bei sechs. Für dieses Jahr haben wir uns elf Prozent vorgenommen; das entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2006.

Bei den Reisemobilen ist es allerdings etwas ruhiger geworden um den Transit.

Ludwig: Wir müssen unterscheiden zwischen den Lieferungen von Fahrgestellen an die Aufbauhersteller und dem OEM-Geschäft, wo wir erfolgreich sind mit dem Nugget und unser Volumen in diesem Jahr nochmals steigern werden. Unter anderem mit der Business Edition. Bei den aufgebauten Reisemobilen sind wir gut im Geschäft mit der Trigano-Gruppe. Natürlich wollen wir aber auch mit anderen Herstellern wieder ins Geschäft kommen und führen dazu auch vielversprechende Gespräche.

Schmitz: Wir glauben, dass der große Transit mit dem Wettbewerb gut mithalten kann. Dass Chausson, Challenger und Roller Team damit Erfolg haben, wird anderen nicht entgehen. Mit dem Custom werden wir deutlich Marktanteile gewinnen.

Wagner: Ich denke, da werden noch einige Modelle kommen. Neben Reimo und Westfalia hat nun auch SCA ein Aufstelldach entwickelt, das Ausbauern zur Verfügung steht.

Und welche Varianten des großen Transit sind derzeit für Aufbauhersteller lieferbar?

Wagner: Noch nicht alle, aber wir sind nahe dran. Es gibt den Kastenwagen mit Frontantrieb, das Tiefrahmenfahrgestell mit Front- und den Leiterrahmen mit Heckantrieb. Außerdem gibt es ein Fahrgestell mit Allradantrieb. Der fehlt im Moment noch für den Kastenwagen. Ein Windlauffahrgestell für Integrierte haben wir entwickelt bis zu einem gewissen Punkt. Aber das wird erst zu Ende geführt, wenn ein Aufbauhersteller gezielt nachfragt.

Wird es auch ein Automatikgetriebe geben?

Schmitz: Ende des nächsten Jahres gehen wir damit an den Start für den Custom und den großen Transit mit Frontantrieb.

Wagner: Wir haben dafür einen Partner gesucht und mit Getrag auch gefunden. Die Zusammenarbeit läuft sehr vielversprechend.

Braucht der Transit noch einen stärkeren Motor?

Ludwig: Wir haben drei Leistungsstufen: 100, 125 und 155 PS. Aber es gibt Überlegungen, diese Motorisierungen noch weiterzuentwickeln. Konkret können wir dazu erst im nächsten Jahr etwas sagen, wenn wir eine komplett neue Motorengeneration bringen.

Wagner: Was das Drehmoment angeht, erreichen wir aber bereits jetzt mit 350 Nm beim 125-PS- und 385 Nm beim 155-PS-Motor beachtliche Werte, die fast jeden Bedarf abdecken. Trotzdem gibt es den Wunsch nach mehr Leistung, und mit den neuen Euro-6-Motoren können wir diesen auch erfüllen.

Der Transit Custom ist etwas schmaler als der Vorgänger. Ist das in Bezug auf den Nugget nicht ein Nachteil?

Schmitz: Manche Händler und Kunden waren da tatsächlich erst skeptisch. Im Vergleich zum Wettbewerb ist die Breite aber nach wie vor ein großer Vorteil. Auch beim neuen Nugget, der innen rund zehn Zentimeter breiter ist als beispielsweise ein T5, haben wir noch immer konkurrenzlos große Liegeflächen und insgesamt mehr Wohnkomfort. Und das zu einem sehr guten Preis.

War es eine schwierige Entscheidung, dem alten Konzept des Nugget treu zu bleiben?

Wagner: Das war schnell entschieden. Der Vorgänger war ja mit etwa 900 verkauften Exemplaren im Jahr ein sehr erfolgreiches Produkt. Als wir 2011 mit der Erneuerung des Nugget begannen, haben wir ganz gezielt auch Kunden befragt, beispielsweise auch vom Nugget-Forum: Was wollt ihr? Und was wollt ihr nicht mehr? Und das Votum für den Grundriss war eindeutig.
Schmitz: Das Zwei-Raum-Konzept des Nugget ist letztlich ja auch einzigartig, was wir natürlich auch nicht aufgeben wollten. Da waren sich schnell alle Projektbeteiligten einig.

Wie engagieren sich die Ford-Händler für den Nugget?

Ludwig: Wir hatten früher etwa 50 Händler. Inzwischen sind es gut 100.

Wie entwickelt sich dasVerhältnis zwischen Fest- und dem Aufstelldach, das früher keine so große Rolle gespielt hat?

Wagner: Wir sind überrascht vom derzeitigen Erfolg der Aufstelldachversion. Was möglicherweise auch an einem gewissen Nachfragestau liegt, da diese Variante eine Weile nicht verfügbar war. Wir schätzen, dass sich der Anteil des Aufstelldachs bei etwa 50 Prozent einpendelt. Die neue Version ist mit einer Höhe von nur 2,06 Meter bedeutend niedriger als beim alten Transit. Mit dieser, wenn auch bedingten Tiefgaragentauglichkeit ist das Aufstelldach jetzt eben eine tatsächliche Alternative – auch zum Wettbewerb. Wir haben jetzt ein flaches, schickes Auto mit dem breitesten Bett seiner Klasse.

Schmitz: Das ist eine enorme Steigerung, wenn man bedenkt, dass der Anteil des Aufstelldachs vorher nur bei rund zehn Prozent lag. Und die Entwicklung zeigt uns, dass wir nun auch andere Kunden zusätzlich ansprechen, die wir früher nicht erreicht haben.

Welche Erwartungen haben Sie an die Stückzahlen der Freizeitfahrzeuge von Ford?

Ludwig: Wir kommen von etwa 1000 Freizeitfahrzeugen inklusive Euroline. Mit der Erweiterung des Angebots, dem neuen Nugget mit Aufstelldach und der Business Edition, haben wir die Grundlagen für künftiges Wachstum gelegt. Wenn wir in diesem Jahr 1500 Einheiten schaffen, können wir sehr zufrieden sein.

Schmitz: Den Camper-Bereich nehmen wir auf jeden Fall sehr ernst. Ford braucht Freizeitfahrzeuge. Und wir wollen weiter wachsen, auch bei den Basisfahrzeugen, wo wir sicher sind, unseren zweiten Platz halten zu können. Aber wir wollen nicht um und für jeden Preis zulegen. Nur mit Kampfpreisen zu agieren, wird unseren Produkten nicht gerecht.

Foto

Frank Eppler

Datum

7. Mai 2015
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