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Premiere: Hymer B-Klasse: Gesichts-Bewusstsein

Hymer erfindet die B-Klasse neu – und keiner sieht’s. Doch hinter der vertraut wirkenden Front steckt eine spannende Mischung aus Innovation und Rückbesinnung.

Es gibt Gesichter, die man nicht vergisst. Das gilt für Menschen wie für Reisemobile. Die B-Klasse von Hymer ist so ein Fall. Eine leuchtende Erscheinung in der Masse von Marken und Modellen. Jahr für Jahr stellt die B-Klasse ihre Strahlkraft bei der promobil-Leserwahl unter Beweis (siehe Seite 54). Nicht weniger als 26 Modelle zu Preisen zwischen 60000 und 110000 Euro schmücken sich im Modelljahr 2010 mit dem geschichtsträchtigen Produktnamen.

Diese Vielfalt trug jedoch auch dazu bei, dass die Ausstrahlung der B-Klasse zuletzt etwas diffus erschien. Zumal gleichzeitig immer mehr ernsthafte Wettbewerber das Licht der Welt erblickten.

Der richtige Zeitpunkt für einen Einschnitt in der Historie der B-Klasse (siehe Seite 42). Doch wie erneuert man ein fahrendes Denkmal? Wie verbessert man es, ohne es zu verwässern? Für die Entwickler eine echte Herausforderung.

Am Ende überrascht es nicht, dass die komplett neue B-Klasse nicht wirklich überraschend wirkt. Sie steht da wie das vertraute Gesicht in der Menge, obwohl gerade an der Front bis auf die Scheinwerfer kein Bauteil auf dem anderen blieb. Klare Linien statt Schminke, die zum neuen B-Klasse-Bewusstsein passen. Produktmanager Bernhard Kibler: „Wir wollten keine Gimmicks und keinen Schnickschnack, sondern in vielen Punkten zurück zu bewährten Lösungen.“ Nach einer Ära der Designverliebtheit, nach den unerfreulichen Erfahrungen der jüngsten Wirtschaftskrise folgt nun die Rückbesinnung. Das beginnt beim Namen. Die neue Baureihe ersetzt faktisch den B-CL, soll jedoch künftig einfach „die“ B-Klasse sein. Design ist für den Neuen aber kein Fremdwort. Manfred Lang, der alle aktuellen Hymer-Integrierten gestaltete, legte auch bei der B-Klasse für 2011 Hand an. Allerdings folgt die Form streng der Funktion. Die nun steilere Frontscheibe mag Liner-Gefühle wecken. Den Entwicklern ging es aber vielmehr um die Breite des Hubbetts und die Möglichkeit, einen soliden Rollladen hinter der Scheibe unterzubringen.

Bis zum letzten Zentimeter hält der Hymer diese Funktionalität durch. Entwicklungsleiter Rainer Buck deutet auf den Heckleuchtenträger: „Die neue B-Klasse soll eine hohe Wertigkeit ausstrahlen.“ Eine Fühlprobe bestätigt, dass die Außenecken nun aus stabilem PU-Schaum bestehen, das Mittelteil aus Aluminiumprofilen. An diesem Heck wäre sogar der sonst oft vermiedene Begriff Stoßstange angebracht. Immer wieder fällt das Wort „Qualität“, wenn Bernhard Kibler und Rainer Buck die oft verborgenen Fortschritte des neuen Hymer erläutern. Und niemand bestreitet, dass man in diesem Punkt noch etwas verbessern kann. Gleichzeitig setzt die B-Klasse ihre zurückgewonnene Bodenständigkeit auch im ursprünglichen Wortsinn um. Erstmals baut ein integrierter Hymer auf einen Original-Fiat-Flachrahmen mit breiter hinterer Spur. So stämmig kam noch keine B-Klasse daher, optisch unterstützt durch weiter unten angesetzte Seitenschürzen sowie optionale 17-Zoll-Räder des vorgestellten Exemplars. Ein ebenfalls aufpreispflichtiges Fahrwerks-Komfortpaket beinhaltet vorne zusätzliche Schraubenfedern. Sie heben den Bug etwas an und sorgen für eine höhere Belastbarkeit der Vorderachse.

Die Umstellung vom Leiterrahmen des B-CL auf das flache Chassis hat viel mehr mit der Technik als mit dem Design zu tun. Auf diese Weise erhält die B-Klasse auf Fiat Ducato nun in allen Ausführungen einen doppelten Boden. In einem 12,5 Zentimeter hohen Keller verstecken sich die Installationen für Heizung, Elektrik und Wasser. Frisch- und Abwassertank (130/90 Liter) konnten außerdem gewichtsgünstig direkt über der Hinterachse untergebracht werden. Die Vorteile für die Frostsicherheit der Systeme liegen auf der Hand. Auch die Heizung verschwindet in den Tiefen unterhalb der Sitzbank, soll aber für Wartungsarbeiten weiterhin gut zugänglich sein. Über eine große Seitenklappe an der Fahrerseite erreicht man ohne Verrenkung Bordbatterie und Ablassventile.

Für Staufächer bleibt ebenfalls Raum. Unweit der Sitzgruppe kann man sogar Flaschen aufrecht in einem Bodenfach versenken. Ästheten mögen bemängeln, dass die vielen Bodendeckel durch ihre jeweils andere Maserung die Parkettoptik empfindlich stören.

Eine ganze Klasse praktischer ist die Baureihe für das kommende Jahrzehnt allemal. So gibt es aus dem Wohnbereich nichts über atemberaubende Lichteffekte oder artistisch geschwungene Möbelklappen zu berichten. Die Einrichtung wirkt so, wie man sich einen Hymer vorstellt: weder modisch, noch verspielt. Die B-Klasse will nicht glitzern, sondern glänzen. Einen unverwüstlichen Eindruck erweckt die Küchenarbeitsplatte aus edlem Mineralwerkstoff. Anstelle eines Glasdeckels liegt auf der tiefen Spüle eine Platte. Dreht man sie um, hat man ein stabiles Schneidebrett zur Verfügung. Das wussten schon zahllose B-Klasse-Fahrer in der Vergangenheit zu schätzen – Hausmannskost statt Nouvelle Cui­sine. Die ergonomische Neuzeit hält in Form besonders breiter Küchenauszüge Einzug.

Ein vergleichbarer Eindruck stellt sich im Bad des 578 ein: keine verwegenen Klappmechanismen, stattdessen ein stabiler Waschtisch und ein hölzerner Lattenrost als erweiterte Standfläche in der Duschwanne. Die gute alte Toilette in Bankform macht das Putzen leichter und bietet obendrein eine größere Cassette als das Modell mit Drehschüssel.

Als Höhepunkt des 578 darf das Schlafabteil gelten. Unter den gut erreichbaren Betten liegt nicht nur die große Garage. Hier verstecken sich auch zwei Kleiderabteile, die den Schrank zwischen den Kopfenden überflüssig machen. Wohl deshalb kann man ihn abbestellen. Wer unbedingt Distanz zum Partner sucht, hat ja noch ein Hubbett. Eine durchgehende Breite von 1,50 Meter, die extra tiefe Absenkung und feste Auflagepunkte machen die Bugliege zur vollwertigen Schlafgelegenheit. Höhere Ansprüche erfüllt gleichfalls die Sitzgruppe. Selbst im bettorientierten 578 kommen durch die L-Form und den großen Tisch Wohnzimmergefühle im Fahrerhaus auf. Die Materialauswahl trägt ihren Teil dazu bei.

Vorbei die Zeiten, als automobile Optik als alleiniger Maßstab galt. Mit dem textil beflockten Armaturenbrett und einem hölzernen Schrank auf der Beifahrerseite wird das Fahrerhaus wieder zur guten Stube. Die Faltverdunkelungen für die Bugscheiben bestehen nun aus textilem Material. Stoff an der Hubbettunterseite und am Dachhimmel steigert dar­über hinaus die Wohnlichkeit – und macht sich auch beim Fahren positiv bemerkbar. Die weichen Oberflächen schlucken während der Fahrt Nebengeräusche statt sie zu verstärken. Ohnehin hat man sich bei Hymer intensiv mit unerwünschten Lärmquellen beschäftigt, um sie von vorneherein verstummen zu lassen. Der gefahrene Prototyp wirkte auf der ersten Tour bereits erstaunlich ausgereift und fährt sich auf angenehme Weise unspektakulär. Das gilt letztlich auch für die äußere Wirkung der B-Klasse. Auf der Ausfahrt durch das reisemobilgewohnte Oberschwaben sorgte der komplett erneuerte Aufbau nicht gleich für verdrehte Hälse. Der Neue lässt sein Vorgängermodell nicht alt aussehen, was alle derzeitigen B-Klasse-Besitzer im Sinne des Gebrauchtwagenwerts freuen wird. Die Kaufpreise der 2011er Generation stehen noch nicht fest. Hymer verspricht ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und peilt für das kurze Modell 504 rund 65?000 Euro an. Damit läge die neue B-Klasse zwar über dem bisherigen CL-Modell, doch ein gutes Stück unter dem SL, dem sie technisch nicht nachsteht, ja sogar manches voraus hat. Volkstümlichere Preise wären mit Sicherheit ein willkommenes Zeichen der Rückbesinnung.

Auf einen Blick: Hymer B-Klasse 578

Preis: (steht noch nicht fest)

Basis: Fiat Ducato, Flachrahmen, Frontantrieb, ab 96 kW/130 PS

Gesamtgewicht: 3500 kg

Länge/Breite/Höhe: 6990/2350/2900 mm

Empfohlene Personenzahl: 2–4

Baureihe: Die Neuauflage des meistverkauften Reisemobils in Europa ist mit neun unterschiedlichen Grundrissvarianten erhältlich (siehe auch Seite 40).

Info: Telefon 07524/9990, www.hymer.com

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Datum

23. August 2010
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