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News: Freizeitfahrzeuge-Weltkonferenz - Bericht und Kommentar

Caravaningexperten aus aller Herren Länder haben auf einem Kongress im Rahmen des Caravan Salons über die Märkte und Rahmenbedingungen für Reisemobilisten und Caravaner diskutiert. promobil war dabei und fasst die Ergebnisse zusammen.

Schwierige Zeiten in der europäischen Reisemobil- und Caravaningindustrie? Über das Jammern seiner europäischen Kollegen kann sich Richard A. Coon, der Präsident des amerikanischen Industrieverbandes RVIA, nur wundern – mussten die US-Hersteller doch im vergangenen Jahr einen Nachfragerückgang von sage und schreibe 33,2 Prozent bei den Reisemobilen verkraften.

Ganz anders ist die Situa­tion in China, wo nach Angaben von Wang Jidong der Absatz von Freizeitfahrzeugen jährlich mit stattlichen zweistelligen Zuwachsraten steigt. Dennoch ist der Gesamtbestand in dem Riesenreich kaum viel größer als der in Luxemburg. Und noch eine interessante statistische Größe: Eine durchschnittliche Mobilreise dauert in Japan nach den Worten von Keiki Inomata gerade mal zwei Tage.

Es waren interessante Erkenntnisse, die auf der ersten Freizeitfahrzeuge-Weltkonferenz auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf gehandelt wurden. Rund 200 Vertreter aus der ganzen Welt nutzten die Chance, einmal über den eigenen Tel­lerrand – sprich: die eigenen Märkte – hinauszublicken und zu sehen, wie die mobile Freizeit anderswo funktioniert und wohin sie sich entwickelt.

Ob in Südafrika, in Australien oder Kanada: In all diesen Ländern spielen Reisemobile im Tourismus eine bedeutende Rolle, doch für die Binnenmärkte sind Caravans eine viel wichtigere Größe. Dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen inzwischen weltweit für die Freizeitindustrie schwieriger geworden sind, wurde auf der vom deutschen Herstellerverband CIVD organisierten Veranstaltung auch deutlich: Kräftig gestiegene Spritpreise und Lebenshaltungskosten sind rund um den Globus negative Faktoren für den Verkauf von Freizeitfahrzeugen.

Dennoch war die „1st Re­creational Vehicle World Conference“ in Düsseldorf nicht von Pessimismus geprägt: Obgleich gerade der Absatz in den USA exorbitant zurückgegangen ist, blickte Richard A. Coon mit Optimismus nach vorn: Die langfristige Entwicklung lässt die gebeutelten Hersteller wieder hoffen, zumal die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre langsam ins Rentenalter und damit als potenzielle Käufer von Freizeitfahrzeugen ins Visier kommen.

Spannend war für die Konferenzteilnehmer auch der Informationsaustausch über die einzelnen Märkte – zumal das Engagement jeweils auf den ei­genen Kontinent beschränkt ist und es – anders als in der Au­to­mobilindustrie – unter den Frei­zeitfahrzeug-Herstellern keine industriellen „Global Player“ gibt. Lediglich einige Komponentenzulieferer sind auf mehreren Kontinenten aktiv.

Wie sehr gute Ideen indes auch Tausende Kilometer entfernt aufgenommen werden, machte Trevor Watson, der Generaldirektor des Britischen Caravan Clubs und Vizepräsident des internationalen Automobilverbandes FIA, deutlich: So wurde in Japan ein englischer Campingplatz fast 1?:?1 kopiert.

Auf die Erfahrungen der großen Märkte achten auch die Caravaningpioniere in China, wo diese Freizeitform noch ein zartes Pflänzchen darstellt. Gerade mal 20 Campingplätze mit rund 400 Stellplätzen sind im Reich der Mitte vorhanden. Dass dort die Nachfrage freilich in den kommenden Jahren rasant ansteigen wird, ist nach Auffassung von Wang Jidong vom chinesischen Camping Network stark zu erwarten.

Ben Yates, der Sprecher des australischen Caravaning-Industrieverban­des CRVA, hob andere glo­bale Aspekte hervor: Die größ­te Grup­pe von Interessenten für Mietfahrzeuge Down Under stammt aus Deutschland.

Ähnliches gilt nach den Worten seines Kol­legen Dennis Bouwers auch für Südafrika. Kein Wunder, dass Hersteller, Zulieferer und Campingspezialisten aus aller Herren Länder in Düsseldorf ihre Visitenkarten austauschten und Chancen und Entwicklungen diskutierten.

Dass politische Rahmen­bedingungen die Freizeitform Caravaning in Europa nachhaltig tangieren können, darüber staunten die Konferenzteilnehmer beim Vortrag von Hans-Karl Sternberg. Der Geschäftsführer des deutschen Caravaning Industrie Verbands (CIVD) berichtete den Gästen aus Übersee von restriktiven Führerschein- und Verkehrsbeschränkungen und unübersichtlichen Umweltzonen mit Fahrverboten für Reisemobile und Gespanne – und er erntete dafür ungläubiges Staunen.

Andererseits staunte das Gros der europäischen Gäste nicht schlecht, als Richard A. Coon ausführte, dass sein US-Verband allein neun hauptamtliche Kräfte ausschließlich für politische Lobbyarbeit beschäftigt. Offensichtlich mit Erfolg: Führerscheinblockaden und weitreichende Durchfahrtsverbote für Freizeitfahrzeuge sind in den Vereinigten Staaten Fremdworte.

Kommentar: Keine Lobby

Das wichtigste Ergebnis der ersten Weltkonferenz für Freizeitfahrzeuge: Gerade in Europa, wo restriktive Führerscheinregelungen, unübersichtliche Umweltgesetze, unlogische technische Vorschriften, rigide Steuern und uneinheitliche Straßengebühren das Mobilvergnügen unnötig erschweren, lohnt sich einmal der Blick über den Großen Teich. Jenseits des Atlantiks bündelt die Caravaningindustrie in den USA ihre politische Lobbyarbeit in einer gut ausgestatteten Stabsabteilung, die enge Kontakte zu den Entscheidungsträgern in Washington hält. Und in Europa? Fehlanzeige. Es gibt nichts Vergleichbares. In Brüssel, wo auf europäischer Ebene alle wichtigen Weichenstellungen erfolgen, sind die europäischen Reisemobil- und Caravanhersteller und die Campingindustrie nicht adäquat und nicht professionell vor Ort vertreten. Es gibt kein Verbindungsbüro zu den europäischen Institutionen, wie es zum Beispiel die Mö­bel­industrie oder die Spirituosenhersteller unterhalten. So darf man sich nicht wundern (und lamentieren), dass immer wieder Beschlüsse gegen die berechtigten Interessen der Reisemobilisten und Caravaner fallen. In dieser Hinsicht ist die amerikanische Freizeitindustrie den euro­päischen Kollegen meilenweit voraus. In Europa sollte man erkennen: Bei der Lobbyarbeit zu sparen, ist fatal und kontraproduktiv – damit schadet die Industrie nicht nur den vielen Fans des Freizeitvergnügens, sondern auch sich selbst.

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Autor

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Foto: Joachim Sterz

Datum

18. September 2008
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