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Fahrbericht Mercedes Kastenwagen: Mercedes Vito – die handfeste Alternative

Die schicke Mercedes V-Klasse hat auch einen praktisch veranlagten Bruder: Der nun ebenfalls neue Mercedes Vito bietet sich als günstige Basis für Campingbusse an. Wir sind ihn Probe gefahren.

Mercedes nimmt den VW T5 gehörig in die Zange. Mit dem Nobelbus namens V-Klasse und dem Edel-Camper Marco Polo wollen sich die Schwaben an die Spitze setzen. Von unten greift jetzt der erneuerte Vito an. Er kann auch günstig und steht als Kastenwagen Worker schon für 21 408 Euro in der Preisliste – samt Müdigkeitserkennung und Seitenwindassistent. Durch die Kombination von moderner Pkw-Technik und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis bietet sich der Vito als Basis für praktisch denkende Campingbus-Freunde an.

Prinzipiell entspricht die in drei Längen erhältliche Vito-Karosserie der V-Klasse. Mit großen mattschwarzen Kunststoff-Teilen an Bug und Heck, sowie gelochtem Kühlergrill im Stil der Actros-Lkw weist er aber jegliche Lifestyle-Ambition weit von sich. Empfindet man den Auftritt als zu schlicht, bekommt man gegen 380 Euro Aufpreis lackierte Stoßfänger.

Ein Unterschied zur V-Klasse bleibt beim Einsteigen aber unübersehbar: Der Vito hat ein völlig eigenes Armaturenbrett, das ebenfalls pure Nützlichkeit ausstrahlt. Praktische Nachteile hat es jedoch nicht.

Die Oberflächen nehmen raue Behandlung nicht gleich übel; die großen Instrumente lassen sich vorbildlich ablesen, und die Ablagen genügen für die ganze Reisebibliothek. Wie beim Vorgänger gibt es eine Fußfeststellbremse, die nicht mit drehbaren Sitzen in Konflikt kommen kann.

Kleiner Preis dank kleinem Motor

Der große Preisunterschied der Vito-Grundmodelle gegenüber der V-Klasse hat jedoch auch einen technischen Hintergrund: Nur für den Vito gibt es einen kleineren 1,6-Liter-Turbodiesel mit Frontantrieb (88 und 114 PS). Erst die stärkeren Varianten (136, 163 und 190 PS) greifen auf die V-Klasse-Technik mit Heckantrieb zurück. Hier wie dort steht außerdem Allrad zur Wahl.

Wer den Preis im Blick behält, wird wohl den Vito mit Vorderradantrieb ins Visier nehmen. Zwar war die Kombination von Mercedes-Transportern und Frontantrieb in der Vergangenheit nicht immer ganz glücklich, doch lässt der neue Vito solche Skepsis beim Fahren schnell vergessen.

Das 114-PS-Aggregat des Vito 111 CDI, das aus der Partnerschaft mit Renault stammt, legt unauffällig los und vermittelt auch beim testweise zur Hälfte beladenen Kastenwagen ein Gefühl völlig ausreichender Motorisierung. Ebenso wichtig: Selbst beim beherzten Tritt aufs Gaspedal muss man kein Zappeln in der Lenkung befürchten. Zudem benimmt sich der Vito auch auf holprigen Straßen manierlich und gehört insgesamt zu den gut geräuschgedämmten Transportern.

Auf längeren Strecken sammelt er weitere Punkte durch die – dank vielfacher Stellmöglichkeiten – für nahezu jede Statur passende Sitzposition und die simple Bedienung. Im 111 CDI lässt es sich gut reisen.

V-Klasse oder Vito – das ist hier die Frage

Angenehm fallen die im Vergleich zur V-Klasse größeren Außenspiegel auf. Ein wenig leichter als bei den Heckantriebsvarianten geht die Bedienung der Sechsgangschaltung von der Hand. Weitere technische Unterschiede des Fronttrieblers: Er hat mehr Zuladung, aber deutlich weniger Anhängelast und einen etwas größeren Wendekreis. Verzichten muss man hier auf die Option einer Getriebeautomatik. Hat man sich dagegen für eine der stärkeren Heckantriebsvarianten entschieden, ist die seidenweich arbeitende 7G-Tronic aus der V-Klasse eine klare Empfehlung. Andererseits entschwindet ein Vito mit Top-Antrieb und -Ausstattung rasch in die Preisregion der V-Klasse.

Die Stärke eines zurückhaltend ausgerüsteten Vito liegt in der Kombination von Limousinenkomfort und Transporterpreisen, was ihn zur guten Basis für Kompaktcamper macht.

Das hat man auch bei Mercedes erkannt und bietet für die Bus-Variante Vito Tourer ab Werk drehbare Vordersitze, eine Sitz-Liegebank sowie einen Tisch an. Zusammen mit einem Aufstelldach bekommt man dieses Innenleben im neuen Marco Polo Activity. Er basiert auf dem Vito und erlaubt so einen Einstiegspreis von unter 40.000 Euro.

Ein stolzer Spanier

Seit den Tagen des fast schon vergessenen MB 100 kommen kompakte Mercedes-Transporter aus dem spanischen Baskenland. Das Daimler-Werk in Vitoria, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, wurde für den Start der aktuellen Generation von Vito und V-Klasse umfassend erneuert. Der Konzern investierte rund 190 Millionen Euro, um durch erhöhte Automatisierung und umfangreiche Mitarbeiterschulung die Fertigungsqualität zu verbessern. Gleichzeitig wurde der Korrosionsschutz erweitert.

Mit der neuen V-Klasse entsteht im Transporterwerk Vitoria erstmals ein Fahrzeug, dessen Verarbeitung Mercedes-Pkw-Maßstäben entsprechen soll.

Report: Günstige Reisemobile

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promobil

Datum

31. Dezember 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 12/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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