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News: Das aktuelle Interview: Hymer-Chef Tregner und Dethleffs-Chef Fritz

Interview mit Thomas Fritz und Michael Tregner, den Geschäftsführern des neuen Hymer- und Dethleffs-Gemeinschaftsunternehmens Capron.

Stichwort: Capron

Die Capron GmbH (Caravaning Produktion Neustadt) wurde am 20. Juli 2005 als gemeinsames Unternehmen zur Produktion von günstigen Caravans und Reisemobilen von der Hymer AG und der Dethleffs GmbH & Co. KG gegründet. Beide halten je 50 Prozent der Capron-Firmenanteile. Gleichberechtigte Geschäftsführer sind Michael Tregner, zugleich Geschäftsführer Technik bei Hymer in Bad Waldsee, und Thomas Fritz, zugleich Geschäftsführer beim Hersteller Dethleffs in Isny im Allgäu.

Hymer und Dethleffs werden ab 2007 in Neustadt in Sachsen ein gemeinsames Produktionswerk betreiben. Die Capron GmbH soll besonders preisgünstige Caravans und Motorcaravans herstellen – in einem über 20 000 Quadratmeter großen Produktionsgebäude auf einem 20 Hektar großen Areal. Zu DDR-Zeiten wurden dort Landmaschinen gefertigt. Welche Strategie verfolgen die Unternehmen mit dem Gemeinschaftswerk? Fragen an die Geschäftsführer.

promobil: Hymer und Dethleffs sind zwei Kinder aus einer Familie, aber dennoch am Markt erbitterte Rivalen mit vielen konkurrierenden Produkten. Hat eine gemeinsame Firma da nicht eine gewisse Pikanterie?

Fritz: Das Gemeinschaftswerk hat ganz klar betriebswirtschaftliche Gründe. Unser gemeinsames Ziel ist, mit standardisierten Fahrzeugen und großen Fertigungsvolumina in den Markt zu gehen, sonst lohnt sich eine Investition in ein Werk wie Capron nicht. In unseren Stammwerken können wir solche Einheitsfahrzeuge nicht bauen. Die Kostenstruktur und auch die Ausrichtung der Werke auf Flexibilität und Individualisierung lassen es nicht zu, dass wir in Isny oder Bad Waldsee fertigen. Wenn die Nummer eins und die Nummer zwei sich zusammentun, dann bürgt das für eine gewisse Durchsetzungskraft am Markt.

Tregner: Es gibt zwei weitere, nicht zu unterschätzende Gründe für das Gemeinschaftsunternehmen: Zum einen ist das in Neustadt erforderliche Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich so kraftärmer zu realisieren. Insbesondere wenn man bedenkt, dass beide Firmen ja auch in ihren Stammwerken ebenfalls zweistellige Millionenbeträge investieren. Zum anderen schaffen wir durch das Projekt einen enormen Know-how-Transfer zwischen Hymer und Dethleffs in den Bereichen Produktion, Logistik und Einkauf. Davon profitieren beide Partner.

promobil: Wie weit geht die Freundschaft? Werden Sie gemeinsam Produkte entwickeln?

Tregner: Für Capron, ja.

promobil: Ein Hymer bleibt also weiterhin ein Hymer, und ein Dethleffs bleibt auch in Zukunft ein Dethleffs?

Tregner: Wir haben uns vor dem Hintergrund eines effizienten und zügigen Produktentstehungsprozesses darauf verständigt, dass die Prototypen der Motorcaravans gemeinsam mit Hymer-Mitarbeitern im Team bei Dethleffs gebaut werden, während die Caravans interdisziplinär mit Dethleffs-Leuten in Bad Waldsee entstehen, bevor sie in Neustadt in Serie gehen.

Fritz: Bis zur Serienreife geschehen also alle Arbeiten in den Stammwerken von Hymer und Dethleffs.

promobil: Es dauerte lange, bis sich beide Unternehmen offen zu der Partnerschaft bekannten. Hymer verlasse Bad Waldsee – so hieß es. Ein Politikum. Wie viel Drohpotenzial war nötig, um das für Ihr Haus bislang fremde Ziel Billigproduktion zu erreichen?

Tregner: Das hat nichts mit Druck zu tun, schon gar nicht auf die Hymer-Mitarbeiter, die weiterhin am Produkt Hymer arbeiten. Ich möchte eines korrigieren, was in der Diskussion oft falsch dargestellt wurde: Capron stellt keine Hymer-Fahrzeuge her und auch keine Dethleffs-Fahrzeuge, sondern ein eigenständiges Produkt, das eine wichtige Nische der Zukunft besetzen wird. Wir müssen also die Diskussion über Capron eindeutig von der Standortdiskussion Hymer in Bad Waldsee trennen. Im Falle Hymer war es in der Tat so, dass über einen weiteren Standort neben Bad Waldsee und dem Werk in Frankreich intensiv nachgedacht wurde. Dieser Prozess endete mit der Lösung, Hymer-Produkte weiterhin ausschließlich an unseren bisherigen Standorten zu produzieren. Hymer, das muss man bei dieser Gelegenheit noch einmal zum Ausdruck bringen, investiert vor dem Hintergrund neuester produktionstechnischer und logistischer Gesichtspunkte in Bad Waldsee rund 20 Millionen Euro im laufenden Jahr in eine neue Fertigungshalle und den Maschinenpark. Wir wollen bei Hymer nicht nur Standortsicherung betreiben, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Und zwar in Bad Waldsee!

Fritz: Die Idee, gemeinsam in einem neuen Werk unter einem neuen Namen preisgünstige Fahrzeuge zu bauen, entstand eben zufällig genau in der Zeit, als sowohl Dethleffs als auch Hymer über neue Werks- oder Verwaltungshallen nachdachten. Da wurden leider zwei Dinge vermischt, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Die Ostaktivitäten von Capron haben nichts mit Hymer und Dethleffs zu tun.

promobil: Die Produktionshalle von Capron hätte genauso gut in Isny oder Bad Waldsee stehen können. Sie haben eine solche Situation mit Dethleffs bei Sunlight ja vorgemacht.

Tregner: Nein, ausgeschlossen. Reisemobile und Caravans dieser Preisklasse, in die wir mit den Capron-Produkten vorstoßen, wären angesichts des Lohngefüges und der an unseren Standorten bestehenden Gemeinkostenstruktur in Großserienfertigung vollkommen undenkbar gewesen.

Fritz: Letzteres muss man erklären, denn es hat damit zu tun, dass bei Capron ganz andere Fahrzeuge entstehen. Dort werden ausschließlich Standardfahrzeuge gebaut mit marginalem Individualisierungsgrad. Es muss also bei Capron kein Personal für Individualisierung vorgehalten werden. Bei Dethleffs ist das ganz anders, dort halten wir 15 Prozent Personal für individuelle Kundenwünsche vor. In Neustadt wird es nicht einmal ein Materiallager geben. Die Anlieferung erfolgt direkt ans Band.

promobil: Welche Produkte sollen in Neustadt entstehen?

Fritz: Günstige Teilintegrierte, günstige Alkoven und ebenso auch günstige Wohnwagen. Aus heutiger Sicht.

promobil: Ein bemerkenswerter Nachsatz. Kommen also irgendwann auch die günstigsten Modelle der Marken Dethleffs und Hymer aus Neustadt?

Fritz: Das Thema wird nicht sein, vorhandene Dethleffs-Produkte bei Capron bauen zu lassen. Allerdings muss klar sein, das sage ich auch meiner Belegschaft in Isny, dass der Dethleffs aus dem Allgäu dem Kunden die fünf- oder zehntausend Euro wert sein muss, die er mehr kostet als das Capron-Produkt aus den neuen Bundesländern. Wir arbeiten daran, dass das noch lange so bleibt, aber wir wollen ein anderes Marktsegment, das gerade wächst, nicht einfach kampflos den Anbietern aus Italien und Frankreich überlassen.

promobil: Befürchten Sie Kanibalisierungseffekte?

Tregner: Nein, denn die Hymer- und Dethleffs-Produkte sind, gepaart mit Alleinstellungsmerkmalen, wie bei uns zum Beispiel die Pual-Seitenwand, zu komplex, zu individuell und damit nicht mit den Capron-Fahrzeugen zu vergleichen. Ein Capron-Kunde ist kein typischer Hymer-Kunde.

Fritz: Das gilt für Dethleffs genauso.

promobil: Letzte Frage: Wie sollen die beiden neuen Marken heißen, die in Neustadt vom Band rollen werden?

Fritz: Die günstige Schwester von Dethleffs heißt, wie ja allgemein bekannt ist, Sunlight. Das wird auch so bleiben.

promobil: Herr Tregner, der kleine Hymer-Bruder heißt ...?

Tregner: Überraschung!

promobil: Schöner Name. Herr Fritz, Herr Tregner, wir danken für das Gespräch.

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Datum

2. März 2006
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